Und ihre Munition war Hagelzucker
"Soldaten und Kinder backen Hilfe", so der Marschbefehl gestern im Fliegerhorst Zeltweg. Wo der Chef ein "sehr Süßer" ist, tunkten und kneteten Schüler aus Weißkirchen. Eine Kostprobe.
Draußen bei der Flughafenfeuerwehr weht ein scharfer Wind, die Nasen und Wangen der Kinder sind bald so rot wie die Marmelade drinnen im Weidling. Oder pickt da noch ein süßer Batzen um die Mundwinkel? Könnte gut sein, so emsig, wie es gestern Vormittag im großen Speisesaal des Zeltweger Fliegerhorstes herging: "Soldaten und Kinder backen Hilfe" lautet auch diesen Advent wieder der Marschbefehl. Der begeistert befolgt wird. Bloß ein Knirps der Weißkirchner Volksschule hat es weder mit Keksen noch mit Löschfahrzeugen - er träumt lieber von einem bewaffneten Einsatz als Soldat.
Nein, geschossen wird heute höchstens mit Hagelzucker, den findet Lisa Marie echt super. Wie ihre "besten Freundinnen" Maria und Magdalena. Mit ihnen hat sie Marmelade gestrichen - ein schwieriges Unterfangen wie zwischendurch die Entscheidung, ob naschen oder tunken angesagt ist. Lisa Marie umarmt die Mädchen mindestens so fest wie die Schüssel mit der Schokosauce. Und mindestens so genüsslich, wie Geburtstagskind Angela in ein frisch glasiertes Keks beißt.
Ausstechen hat ihr am meisten Spaß gemacht, aufgeregt wetzt sie zwischen dem Blech mit den kleinen Monden und Sternen und der Kokosraspelbox hin und her. Das Kochhäubchen rutscht in alle Himmelsrichtungen. "Uuhhh, lecker..." Doch nein, Kekse backen ist nicht lustiger als Schule gehen: "Ich liebe die Schule!" Im Gegensatz zu Vanillekipferl. Das unterscheidet Angela von Günther Gräßl, für den Oberstabswachtmeister geht nichts über den Klassiker der Mehlspeis-Republik. Gerald Ehling vom Militärkommando wiederum lässt für Nussecken jede Rumkugel abrollen. Schwört er.
Tollkühn
Offenbar pflegt man gerade dort die Zuckerseiten des Lebens, wo im Alltagsdrill die tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten abheben. Wen wundert, dass sich auch der Chef als "ein sehr Süßer" outet: Hauptsache Schokolade, heißt die Devise für Kasernenkommandant Edwin Pekovsek. "Ich bin erfreut, dass wir dieses Adventprojekt unterstützen können. Wir haben die Infrastruktur und die Köche sind begeistert." Die Köche, längst schon haben sie alle Hände mit den Vorbereitungen für das Mittagessen zu tun, die pikanten Gerüche matchen sich am Eingang zum Saal mit Vanilleduft und Zimtbrise. Stets drei Menüs zur Auswahl, für Tortellini mit mediterraner Sauce wird sich heute die Anti-Fleisch-Fraktion entscheiden.
Nur Chefkoch Franz Hinterlaßnig ist unter den weißen Nachwuchs-Mehlwürmlein mit seinem roten Hemd der Marmeladeklacks im Husarenbusserl. Seine drei Lehrlinge Bianca Metnitzer, Daniela Messner und Mario Gruber haben mit Ausbildner Walter Probst zwei anstrengende Vorbereitungswochen hinter sich, die Freude an der Arbeit mit den Kindern belohnt.
Die Gulaschkanoniere sind Mengen, wie sie in Zeltweg zu Kipferl und Keks verarbeitet wurden, ja gewöhnt: 60 Kilo Mehl, 240 Eier. Diese Ladung kann heute nur das anschließend besichtigte Feuerwehrlöschfahrzeug toppen: 5000 Liter Wasser, 1000 Liter Schaum. Die Kinder johlen, als Dietmar Macher die Lampe ausfährt. Nächster Programmpunkt: Essen fassen. Aber das ist eine andere Geschichte...
Features
VERKAUF AM 17. DEZEMBER
Das Adventprojekt "Soldaten und Kinder backen Hilfe" wird heuer zum siebenten Mal durchgeführt. Das österreichische Bundesheer unterstützt damit die Steirische Kinderkrebshilfe und eine unverschuldet in Not geratene Familie im Bezirk Weiz. Die Aktion soll Kindern auch zeigen, wie mit geringen Mitteln und unter persönlichem Einsatz benachteiligen Mitmenschen geholfen werden kann. Sponsoren sind neben dem Heer unter anderem "Rössl Mühle", "Tonis Freilandeier", "Bäckerei Sorger".
Verkauft werden die Kekse am 17. Dezember in der Arena Fohnsdorf zwischen 14 und 17 Uhr.








