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Zuletzt aktualisiert: 02.12.2010 um 20:16 UhrKommentare

Das Jahr danach: "Ihr habt Sensationelles geleistet"

Wieder Arbeit genug für Stahl Judenburg, man steuert auf einen Umsatz von 76 Millionen Euro zu und hegt ambitionierte Zukunftspläne. Betriebsversammlung gestern in der Garage.

Alles eine Frage der Steuerung. In der Wirtschaft wie im Fußball. Anton Kleemaier, zwei Jahre vor seinem Ruhestand, grummelt lieber über getürkte WM-Vergaben und Spekulantentum als über den Betrieb, ehe es losgeht mit der Versammlung, hier in der Garage der Betriebsfeuerwehr. Der Betrieb also, die Stahl Judenburg im Jahr eins nach der Krise. "Bei uns läuft es, Arbeit mehr als genug", lässt sich der Arbeiter doch zu einem Lächeln hinreißen.

Überhaupt fiel Lächeln gestern ungleich leichter als vor einem Jahr: "Es geht wieder etwas besser", atmet Geschäftsführer Ewald Thaller auf, Kollege Niels Vieweg will "einfach einmal optimistisch sein", auch wenn die Entwicklung des Marktes schwer absehbar ist, die Vormaterialpreise massiv gestiegen sind, der Druck der Kunden anzieht.

Heuer jedenfalls steuert man nach den mageren 51 Millionen von 2009 auf einen Umsatz von 76 Millionen Euro und eine Absatzmenge von 48.000 Tonnen zu, plant für 2011 weitere deutliche Steigerungen.

Überraschend schnell hätten sich die Märkte erholt, "inzwischen geht es in kaum einer Branche, die wir beliefern, nicht nach oben", sagt Thaller. Vor allem also im Pkw- und Hydraulik-Bereich. Selbst wenn Elektromotoren boomen, die Verbrennung dürfte noch eine Weile durchhalten - und Lenkungen werden immer benötigt. Die Chefs verabsäumen nicht, den Aufschwung auch der Belegschaft an die Fahnen zu heften, den Zusammenhalt im dramatischen Krisenjahr zu loben. "Ihr habt Sensationelles geleistet", so Vieweg, gestern mit unübertrefflich deutschem Frohgemut unterwegs.

"Mit Herz"

Die Mahner sitzen unter der Belegschaft: "So schnell wie es herunterging, ging es wieder hinauf", ortet Arbeiter und Betriebsrat "mit Herz" Fritz Kranz eine rasche Sättigung des Marktes als große Gefahr. Und fordert, auch den Arbeitern wieder etwas zurückzugeben: "Die Wirtschaft verdient wieder nicht so schlecht." Nach Vorstellung des Konzerns hoffentlich genug, um sich die Zukunftspläne leisten zu können: die Internationalisierung mit dem Erwerb zusätzlicher Standorte in den USA und Asien ("Dort spielt die Musik") im Bereich Stahlverarbeitung, die Investition in Automotiv-Komponenten. Schweißtreibende Verhandlungen laufen.

Die Männer in der Garage sind ganz Ohr, und mitten unter ihnen zwei junge Damen. Melanie Mayer aus Judenburg lernt Mechatronikerin, die Zeltwegerin Heike Schwaiger Zerspanungstechnik: "Macht mehr Spaß als ein typischer Frauenberuf." Und Roland Rohrbacher, Betriebsratchef wie Firmenurgestein, verkündet stolz den Stand von 18 gewerblichen und zwei kaufmännischen Lehrlingen: "Ich will ja, dass auch die Jugend noch Arbeit hat." Überhaupt würde man nach dieser Kundschaft der Geschäftsführung wieder leichter schlafen.

BETTINA OBERRAINER

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