"Es gehört viel mehr Farbe unter die Haut"
Wenn sich ein 96-Jähriger beide Füße tätowieren lässt, ist das für Carlos total normal: Ein Besuch in einem Zeltweger Tattoostudio.

Foto © Reuters
Die vielfältige Welt der Tattoos: Eine Leobenerin, ein Wolfsberger und eine Judenburgerin zeigen Haut. Treffpunkt Zeltweg, Studio Artline Tattoo, in dem sich Menschen von nah und fern mit Kunst, die unter die Haut geht, verzieren lassen. Bei unserem Besuch von Mitarbeiter Karl Frühwald, allgemein bekannt als Carlos, und Tätowierer seit 16 Jahren.
Malerei. Die Leobenerin, Nicole Hofmann, lässt sich ein blumiges Tattoo mit Frosch, Schmetterling und Libelle auf den Oberarm malen. Zumindest wirkt es wie Malerei, wenn Carlos Hand anlegt. "Schmerzhafte Malerei", lacht Hofmann, die mit dem Tattoo nicht rund um die Uhr in Frühlingsgefühlen schwelgen, sondern die Erinnerung an das erste Terrarium-Tier ihres Sohnes, einen Frosch, bewahren will.
Mehr Farbe. "Es gehört viel mehr Farbe unter die Haut!", plädiert Carlos für eine buntere Menschheit. Er selbst ist gerade mit einer frisch tätowierten Hand von einer Tattoo-Convention in Nürnberg zurückgekehrt. Eine Convention ist eine Art Messe, bei der sich Tätowierer präsentieren und ihr Können zeigen. Der Fohnsdorfer peilt heuer rund 25 Conventions an, auch den einen oder anderen Preis hat der 40-Jährige bei derartigen Veranstaltungen schon eingeheimst. Das "Ausstellungsstück" bei der Convention in Klagenfurt Anfang März ist der Wolfsberger Erwin Baumgartner, in dessen - noch nicht fertigem - Rücken rund zwölf Stunden Arbeit stecken. An Preisen liegt Carlos nicht unbedingt, vielmehr ist er daran interessiert, qualitativ hochwertige Tattoos auf die menschliche Haut zu zaubern. Wie die blutenden Rosen von der Judenburgerin Kerstin Zach, die sich von der Achsel zum Oberschenkel ranken. "Wenn man sich für ein Motiv entschließt, dann hundertprozentig", hegt die 22-Jährige keine Zweifel, dass ihr ihre Tattoos - drei sind es insgesamt - auch in 50 Jahren noch gefallen. "Für manche Leute ist es Schmuck, die meisten verbinden damit ein wichtiges Ereignis in ihrem Leben."
Persönlichkeit. Der Tätowierer kann die Wünsche seiner Kunden zeichnerisch gut umsetzen. Er verweigert aber auch: anstößige Motive etwa oder wenn sich Jugendliche den Namen ihrer Lieblingsband tätowieren lassen wollen. Da hilft auch das Okay der Eltern nichts. Wenn ein 96-Jähriger sich aber einen Radfahrer auf den linken und einen Läufer auf den rechten Fuß tätowieren lässt, findet das Carlos total normal: "Der Mann war sehr sportlich", grinst der aus dem Bezirk Liezen stammende Tätowierer. Mit der Farbe unter der Haut könne man schließlich gut seine Persönlichkeit zum Ausdruck bringen.
Features
Infos
Eine Tätowierung wird mit Tinte oder anderen Farbpigmenten in die zweite Hautschicht gestochen.
Wer mehr über das Tattoostudio erfahren will: www.tattoo-carlos-eu oder Tel. 0664-540 74 19.








