Kara Ben Nemsi war gestern
Jetzt kommen Michael Stattmann und Martin Toperczer. Zurück von ihrem Abenteuer durch 16 Herren Länder mit unbezahlbarem Gepäck fürs Leben, aber ohne Stinkesocken.

Foto © TOPERCZER, STATTMANNIn der Salzwüste: Martin Toperczer aus Judenburg und Michael Stattmann aus Knittelfeld wollen ihren Trip als multimediales "14.000-Kilometer-Kabarett" im Aichfeld zeigen
Dich hab ich echt im Verdacht!" Irgendwo in Georgien das muffelnde Paar Bundesheersocken geklaut zu haben. Weil, Himmel, wer braucht denn so was? Der Schmäh rennt zwischen den beiden jungen Männern. Die beiden, die nach acht Wochen Tour durch 16 Herren Länder, vom Kernölland ins Erdölland, gut zu Hause eingerollt sind. Mit tausendundeiner Geschichte im Gepäck, neben der selbst Karl May wirkt wie vom Wüstenwind verblasen: Kara Ben Nemsi war gestern, jetzt kommen Michael Stattmann und Martin Toperczer.
Mit einem Ritt durchs wilde Kurdistan, von Judenburg an den persischen Golf und durch Weißrussland wieder zurück. Nicht auf Kamelen, sondern mit 1100 und 1150 Kubik unter dem gerade einmal 21 Jahre jungen Popo. Ihr Abenteuer, unbezahlbares Gepäck für ein ganzes Leben, sie wollen davon erzählen und kündigen Multimedia-Vorträge der etwas anderen Art in Judenburg, Spielberg und Knittelfeld als "14.000-Kilometer-Kabarett" an.
Wo beginnen? Da war diese Familie an der Moldawischen Grenze, bettelarm, die mit ihnen alles geteilt, ihr Bett freigemacht hat und sie mit Weihrauch, Lavendel und kiloweise Früchten nur schweren Herzens ziehen hat lassen. Sie lebten bei einer Familie in der Türkei, nahmen spontan eingeladen ("Ruft uns an, wenn ihr in Teheran seid!") drei Tage lang am Leben einer iranischen Künstlerfamilie teil. "Alles, was da war, kam von Herzen", staunen Toperczer und Stattmann überhaupt über ausschließlich freundliche Aufnahme. Sie lässt sie eine eindeutige Quintessenz ziehen: "Die Religion ist das größte Übel der Menschheit. Sie ist das einzige, das die Menschen, von denen es überall Banditen und Herzensgute gibt, voneinander trennt."
Speibgrün
Der Schmäh rennt weiter, nur bei der Geschichte von den 40-Cent-Sandwiches in Tiflis, über die sie sich mit Heißhunger hergemacht haben, wird die Nase jetzt noch speibgrün: gigantisch groß, gigantisch verdorben. Drei Tage lang Lebensmittelvergiftung. Schnell an die landschaftlich schönste Landschaft denken: die irakische Grenze bis zum persischen Golf. Und das Thermometer zeigt 52 Grad plus. Das schönste Land? Montenegro. Das spannendste und "das dreckigste, wo ich je war"? Der Iran.
Im Kurdenland zogen sie auf 3500 Meter Seehöhe am Ararat vorbei, wurden von Hagel bombardiert und ahnten nicht, dass PKK-Rebellen Soldaten töten werden. Stichwort gefährlich. Die Antwort kommt wie ein Schuss aus der Kalaschnikow, mit der der Soldat an der irakischen Grenze auf Stattmanns Maschine posierte: "Der Verkehr im Iran. Die Iraner sind die freundlichsten Leute, aber sobald sie im Auto sitzen, glaubt man, sie wollen dich umbringen." Mit dem Messer unter dem Polster haben sich die Abenteurer nur manchmal zur Ruhe gelegt, sind einander auch selbst nicht an die Gurgel gegangen. Die größte Herausforderung Freundschaft erlitt nur leichte Bremsspuren: "Wenn es drauf angekommen ist, haben wir zusammengehalten."
Mit einem einzigen Satz Reifen und nur einem Patschen sind Martin und Michael durchgekommen, ihr besonderer Dank gilt unter anderem Thomas Prinz (Reifen Plankenauer) und Stadtmarketingboss Heinz Mitteregger für seine tatkräftige Unterstützung. Wieder zu Hause, finden es der Technikstudent Stattmann und der Student oder im Ausland Jobbende in spe Toperczer am schönsten, Leitungswasser zu trinken. Gewöhnen sich daran, jeden Tag im gleichen Bett zu schlafen. Und versuchen, das Rätsel der verschwundenen Stinkesocke zu lösen.







