Ein Riesenbulle für den Ring
Clemens Neugebauer aus Leoben und Martin Kölldorfer aus St. Lorenzen im Mürztal gestalteten eine gigantische Stierskulptur, die ein Herzstück des Ringes in Spielberg wird.

Foto © PrivatDer Stier von Neugebauer und Kölldorfer (hier ein Computerentwurf) dient schon bald als Blickfang auf dem Ring
Mehr als ein Jahr lang arbeiteten die Künstler Clemens Neugebauer (57) aus Leoben und Martin Kölldorfer (57) aus St. Lorenzen im Mürztal an der Gestaltung einer Stierskulptur, die künftig am Red Bull Ring in Spielberg stehen wird. Die Skulptur des durch einen Bogen springenden Stiers hat gewaltige Ausmaße und soll quasi das Wahrzeichen des Red Bull Rings werden (siehe Infokasten).
Ursprünglich haben Neugebauer und Kölldorfer, die schon seit Jahren künstlerisch immer wieder zusammenarbeiten, Dietrich Mateschitz das Konzept für eine Skulptur für Hangar 7 und Hangar 8 in Salzburg vorgestellt. "Den Architekten hat unser Projekt damals gut gefallen, letztlich wurde es aber nach Spielberg umgeleitet", erzählen Neugebauer und Kölldorfer. Schon für das Projekt Spielberg Eins geplant, wurde es allerdings erst im Februar 2011 ernst: "Da wurde uns endgültig der Auftrag erteilt."
Gewaltige Dimensionen
Für die Präsentation davor mussten die Künstler eine zweidimensionale Darstellung des Stiers in seiner vollen Größe anfertigen: "Auf 250 Quadratmetern Spannteppich haben wir den Stier ausgeschnitten. 30 Personen mussten den Stoff mit seinen 550 Kilo auf einen Sattelschlepper heben, auf dem das Teil noch um mehr als einen Meter hinten hinausragte." In Spielberg wurde das Modell mit einem Autokran in die Höhe gehoben, damit man sich einen ersten Eindruck verschaffen konnte: "Das war ein schwieriges Unterfangen und hat zwei Halbtage gedauert. Alleine wegen des Winds. Das Ganze musste ja richtig positioniert werden. Man muss sich vorstellen, das Modell hat Dimensionen wie das Segel eines Viermasters", so Neugebauer.
Künstlerische Freiheit
Modelliert haben die Künstler die Skulptur am Computer: "Es handelt sich um Dimensionen, die händisch nicht zu bewältigen sind", so Neugebauer. Auch die technische Umsetzung wird daher von Firmen und mit Maschinen erfolgen. "Dass es ein Stier geworden ist, hat sich bei unseren Planungsarbeiten so entwickelt. Wir haben jede künstlerische Freiheit gehabt." Auch die Materialien seien bewusst ausgewählt. "Stahl aus der Obersteiermark, Aluminium, das in der Formel 1 oft zum Einsatz kommt. Das hat sich gut angeboten." Zur Verwendung kam spezieller Corten-Stahl, ein Edelstahl, der an der Oberfläche Rost ansetzt. Das Horn des Bullen, das sechs Meter lang ist, wird hauchdünn vergoldet: "Die Materialkosten dafür sind gar nicht so hoch. Aber die Vergoldung ist am haltbarsten."
Während der an der Oberfläche angerostete Edelstahl die Vergänglichkeit symbolisieren soll, steht das vergoldete Horn für die Ewigkeit. Das Aluminium für den Bogen stammt aus recycelten Red Bull-Dosen: "Die Idee war, Dosen zu verwenden, auf denen Red Bull-Trinker weltweit ihre Fingerabdrücke hinterlassen haben."
Der Bulle als archetypisch männliches Symbol und der gerundete Bogen als weiblicher Gegenpart würden ein Spannungsfeld erzeugen: "Stier und Bogen sind so konzipiert, dass sie für sich alleine als Kunstobjekt stehen könnten."
Features
Eckdaten
Clemens Neugebauer und Martin Kölldorfer, Künstler aus Leoben und St. Lorenzen im Mürztal, entwarfen die Stierskulptur für den Red Bull Ring in Spielberg.
Geplante Fertigstellung: Oktober.
Der Bogen ist 17,2 Meter hoch mit einer Spannweite von 25 Metern.
Er wird aus 15 Tonnen Aluminium gegossen - in 20 Segmenten.
Das Grundmaterial für den Bogen kommt von 1,5 Millionen recycelten Red-Bull-Dosen.
Für den Stier selbst werden 39 Tonnen Edelstahl verwendet. Und zwar spezieller Corten-Stahl.
Die 1700 einzelnen Platten werden händisch verschweißt.
Gesamtgewicht der Skulptur: 650 Tonnen. Das Fundament reicht zwölf Meter in den Boden und wiegt alleine 450 Tonnen.








