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Zuletzt aktualisiert: 12.06.2009 um 16:52 UhrKommentare

"Weg mit Sozialismus im Nadelstreif"

Max Lercher (22) aus St. Peter/Kbg. ist Landeschef der Sozialistischen Jugend. Er spricht über Zustand der SPÖ, Straßenausbau und mehr.

Max Lercher

Foto © PrivatMax Lercher

Vertreter aus dem Murtal sind bei der Sozialistischen Jugend (SJ) stark vertreten. Nach dem Spielberger Wolfgang Moitzi, der zum Chef der Sozialistischen Jugend für Österreich aufgestiegen ist, heißt der neue steirische Landeschef Max Lercher aus St. Peter am Kammersberg. Wir haben den 22-jährigen Jungsozialisten zum Interview gebeten.

Herr Lercher, wie wird man im schwarz dominierten Bezirk Murau zu einem eingefleischten Jungsozialisten?
MAX LERCHER: Das hängt einerseits mit meinem Elternhaus zusammen, mein Vater ist ja SPÖ-Ortsvorsitzender in St. Peter. Zur SJ gekommen bin ich, als ich noch ins Borg Murau ging. Vor der Schule war ein Aktionsstand aufgebaut, ich bin dann hingegangen und habe gesagt, ich will mitarbeiten. Das war vor fünf Jahren.

Was ist seither geschehen?
LERCHER: Ich habe zuerst die Bezirksorganisation aufgebaut, dann mehrere Ortsorganisationen. Inzwischen haben wir 170 Mitglieder und 300 Sympathisanten und gehören zu den aktivsten Bezirksorganisationen der Steiermark - zum Beispiel mit Veranstaltungen im Zwei-Wochen-Takt.

Die SPÖ ist ja seit den EU-Wahlen eher negativ in den Schlagzeilen. Sind Sie mit dem derzeitigen Zustand der Partei zufrieden?
LERCHER: Auf gar keinen Fall. Wir sind schon lange der Meinung, der Nadelstreifsozialismus muss endlich aufhören. Im rechten Wählerteich brauchen wir nicht zu fischen, das machen genug andere Parteien. Unsere eigene Klientel ist der kleine Mann, darauf sollten wir uns wieder mehr besinnen.

Was müsste sich konkret ändern?
LERCHER: Wir sind da durchaus auf Linie von Franz Voves, was Vermögenssteuern und mehr Steuergerechtigkeit betrifft.

Gibt es auch Punkte, in denen Sie mit Voves nicht übereinstimmen?
LERCHER: In letzter Zeit ist es zwar ruhig geworden, aber eine Kooperation oder Koalition mit der FPÖ hat er nicht ausgeschlossen. Unsere Linie ist da völlig klar: Keine wie immer geartete Zusammenarbeit mit der FPÖ nach den nächsten Landtagswahlen, das würde unsere Partei zerreißen.

Von Politikverdrossenheit ist oft die Rede. Wie politikverdrossen ist die Jugend?

LERCHER: Absolut gar nicht. Jeder Jugendliche hat eine politische Meinung, man muss sich nur bemühen und auf junge Menschen zugehen. Nur über Politikverdrossenheit zu reden und nichts zu tun, ist zu wenig. Wer aktiv ist, wird auch positive Ergebnisse ernten - unsere Arbeit beweist das.

Warum tun Sie sich persönlich die Politik an?
LERCHER: Weil ich den Wunsch nach Veränderung habe.

Wenn wir zum Beispiel in die Stadt Judenburg schauen, fällt auf, dass es dort eine aktive Junge ÖVP gibt und die SPÖ trotz großer Mehrheit keine Jugend entgegenzusetzen hat. Werden Sie versuchen, dort einen Jugendvertreter in den Gemeinderat zu bekommen?
LERCHER: In Sachen Gemeinderatswahlen 2010 sind wir wie überall auch im Bezirk Judenburg sehr aktiv und mit vielen Interessierten in Kontakt. Was Gemeinderäte betrifft, muss aber der Bezirk selbst entscheiden. Ich wünsche mir aber, dass unsere SJ-Bezirksgruppe in Judenburg insgesamt aktiver wird.

Thema Nummer eins im Bezirk Murau ist der Straßenausbau. Wie stehen Sie zu dieser heiklen Angelegenheit?
LERCHER: Ich bin für einen Ausbau, der Bezirk braucht die Infrastruktur. Insgesamt zeigt sich, dass jene, die entlang der Straße wohnen, dagegen sind. Wer nicht betroffen ist, ist eher dafür. Die Anliegen der Bürgerinitiativen müssen in jedem Fall ernst genommen werden. Am gescheitesten wäre wohl ein Ausbau, also eine Verbreiterung der bestehenden Straße.

Was sind Ihre persönlichen politischen Ziele?
LERCHER: Ich habe kein Ziel, arbeite einfach gern für junge Leute. Und ich freue mich, dass wir auch innerhalb der Partei kritisch sein können und Gehör finden.

INTERVIEW: JOSEF FRÖHLICH

Zur Person

Max Lercher, geboren am 24. September 1986, ist Vorsitzender der Sozialistischen Jugend Steiermark. Er wohnt in St. Peter am Kammersberg und pendelt nach Wien, wo er Politikwissenschaften und Jus studiert.

Die Sozialistische Jugend (SJ) ist laut eigenen Angaben die größte linke Jugendorganisation. Seit 1894 organisieren sich Jugendliche in der SJ, um gegen soziale, wirtschaftliche und gesellschaftliche Missstände anzukämpfen.

Steiermarkweit hat die SJ laut Max Lercher knapp 6000 Mitglieder.

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