Schokolade braucht der Mensch
Leidenschaft, dein Name ist Lebkuchen. Zumindest im Hause Regner in Seckau. Von welchem aus im 350. Jahr seines Bestehens Leckerli und Co. die feinsten Adressen dieser Welt versüßen.

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Was für ein Bild. Ein Riesenblech mit schokogetunkten Herzen, und der Himmel schüttelt dicke Schneeflocken, als ob er sich höchstpersönlich um die zuckrige Verzierung kümmern wollte. Den Sonnenschein liefert das Lachen auf den Gesichtern der Familie Regner. Sie hat es nicht verlernt während dieses honigsüßen Endspurts vor Weihnachten. Endspurt in diesem Haus in Seckau, das der Welt Lebkuchen-Kreationen schenkt, welche mittlerweile feinste Adressen zu schätzen wissen. Allein in der mondänen Wiener Wollzeile bieten drei Läden Zirbentrüffel und Schilchertraubengelee, Basler Leckerli, Marillenbusserl und Früchteriegel.
Und kein Schleckermaul fragt nach 15-Stunden-Tagen am laufenden Band, kann sich kaum vorstellen, dass an manchen Tagen eine dreiviertel Tonne Lebkuchen verschickt wird. Oder 5000 Eier wöchentlich Stück für Stück aufgeschlagen werden.
Gewiss, Tradition verpflichtet. Die Regners feiern heuer das 350-Jahr-Jubiläum. Das waren Zeiten, als die damalige Hofbäckerei für das Augustiner Chorherrenstift Halbpanzen und Dreier-Semmeln herstellte. Bäcker sein im 17. Jahrhundert? "Nein, körperlich viel zu anstrengend", lehnt Meisterkonditor Michael Regner dankend ab. Obwohl: "Vielleicht ging alles weniger gestresst zu, obwohl heute die Maschinen mit Starkstrom fahren, früher mit Hand geknetet wurde." Doch geht ja heute allen alles zu langsam, der irre Anspruch an die Arbeitswelt fordert Tribut.
Nervennahrung
Da greift der Chef des Hauses manchmal gerne zur Nervennahrung: "In Zeiten wie diesen, bei all den Umwelteinflüssen, braucht der Mensch Schokolade." Bloß die Menge, die jährlich bei Regners verarbeitet wird, die verdrückt selbst der motivierteste Naschpetzl nicht: "Wir kratzen heuer an der Sechs-Tonnen-Grenze." Wahnsinn. Ein Schlaraffenland an Polyphenolen, sozusagen. Und je höher der Kakoanteil...Sie wissen schon. Sehr wohl beobachtet Michael Regner, dass im Sinne bewusster Ernährung immer mehr Menschen zu Qualitätsprodukten greifen.
Was das dunkle Gold betrifft, aber auch immer mehr Chinesen und Inder. Dazu übles Spekulantentum, und Schokolade erstarrt zum Luxusgut. "Weil der Mensch geizig ist, Zwischenhändler sich nur dämlich verdienen wollen und den kleinen Produzenten ihre mühevolle Arbeit nicht abgegolten wird", machen dem Meister globale Befindlichkeiten Sorge. Fein, dass der Familienbetrieb Rückhalt gibt. Alle drei Kinder - Johanna, Gregor und Andrea - traten in Papas süße Fußstapfen, sind (welt)meisterlich vergoldet, würzen den Betrieb mit kreativem Können und Elan. Und ohne Mama Katharina läuft ohnehin nichts.
Leidenschaft
Leidenschaft, dein Name ist Lebkuchen. Und der Lohn für den hohen Preis erfolgreicher Selbstständigkeit von einem Ort aus, alles andere als eine leicht erreichbare Metropole: Die Chance, aus Aufgebautem etwas zu machen, der Traum, etwas zu verwirklichen. Michael Regners Stimme schmilzt plötzlich wie buttrige Ganache. Schließlich die Anerkennung für einen Top-Namen. "Man darf aber nicht den Fehler machen, dass alles von heute auf morgen geschehen muss, Qualität funktioniert nicht mit Masse."
So verlangte auch der neue Zubau seine Zeit, nun freut sich die Familie aber auf 1000 Quadratmeter verbaute Fläche mit endlich genügend Platz für die hochprofessionelle Arbeit: für Produktion und Schokolade-Verarbeitung, wo auch der Obdacher Konfiseur Josef Kern seine gehaltvollen Kugeln rollen wird, für Kühllager über Büro bis zum Verpackungsbereich. Im Juni soll gesiedelt werden. Michael Regners Wunsch für die nächsten 350 Jahre? "Familiärer Zusammenhalt und Gesundheit, um alle Herausforderungen zu bewältigen."








