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    Zuletzt aktualisiert: 06.02.2012 um 21:15 UhrKommentare

    Den Regionen gehen die Frauen aus

    Das Bröckeln der ländlichen Infrastruktur bläst den Gemeinden kalt ins Gesicht: Vor allem für junge Frauen wird das Leben am Land immer unattraktiver. Nutznießer ist der Großraum Graz.

    Männer unter sich - in Ostdeutschland oft gezwungenermaßen

    Foto © Eva-Maria GrieseMänner unter sich - in Ostdeutschland oft gezwungenermaßen

    Sparen ist angesagt, an allen Ecken und Enden. Kleine Schulen und Spitäler machen dicht, die Post schließt ihre Ämter, die Justiz die Tore ihrer Bezirksgerichte, und während die Bundesbahnen jedes Jahr ein paar unrentable Nebenstrecken mehr vom Fahrplan streichen, verabschieden sich aus den Ortsbildern schrittweise die Nahversorger aller Art. Die Begründungen klingen stets ähnlich: Der Betrieb rechne sich nicht mehr, die Kunden blieben aus, der Bedarf sei zu gering. Die Jungen sind längst der Gravitation des Grazer Ballungsgebiets erlegen, und mit den Bewohnern verlieren die steirischen Landregionen scheibchenweise ihre Infrastruktur. Und andersherum. Was zuerst kam, weiß keiner mehr genau.

    So gesehen verwundert es nicht, wie allergisch viele Bürgermeister auf die neuerlichen Sparvorgaben aus dem Land reagieren. Noch mehr Ausdünnung lässt noch mehr Abwanderung befürchten. Und weniger Nachwuchs. Denn es sind vor allem die jungen Frauen, die dem Leben auf dem Land den Rücken kehren. In den Bezirken der Mur-Mürz-Furche liegt der Männerüberhang bei den 20- bis 29-Jährigen inzwischen bei 10 bis 16 Prozent, während in Graz oder Leibnitz die jungen Frauen in der Mehrzahl sind. Die Folge: Die Geburten in den obersteirischen Bezirken gehen drastisch zurück.

    Besonders prekär ist diese Entwicklung in Gemeinden wie St. Peter ob Judenburg. Vor fünf Jahren gab es in dem 1100-Einwohner-Ort bereits 65 Prozent mehr junge Männer als junge Frauen. Inzwischen kommen auf zwei junge Frauen bereits fünf junge Männer. Bürgermeister Wolfgang Rosenkranz sagt zwar: "Bisher fällt das im Ortsleben nicht wirklich auf." Dennoch: "Vor allem im bäuerlichen Bereich gibt es schon einige Junggesellen."

    Woran es liegen könnte, das kann sich Rosenkranz nicht so recht erklären. Ähnlich geht es Günther Bischof, dem Bürgermeister von Oberwölz (971 Einwohner) im Bezirk Murau. Um 57 Prozent mehr junge Männer gibt es dort. Ein Erklärungsversuch: "Es gehen viele Mädchen nach Graz studieren", so Bischof. "Dort melden sie ihren Hauptwohnsitz an, um einen Parkplatz oder Wohnbeihilfe zu bekommen." Viele kommen nicht wieder.

    Zu wenig Klebstoff

    Warum das so ist? Das Institut für Raumplanung an der Wiener Uni für Bodenkultur hat diese Frage im Auftrag des Landes Steiermark untersucht. Die Forscher fanden heraus, dass fehlende Einrichtungen wie Schulen oder Geschäfte und die folglich weiten Alltagswege vielen jungen Frauen das Landleben vergällen. Dazu kommt, dass heute mehr junge Frauen als Männer studieren und danach in besser bezahlte Jobs drängen. Unis und hochwertige Arbeitsplätze gibt es vor allem in Graz. Bei jungen Männern dagegen wirkt der Klebstoff des örtlichen Vereinslebens häufig stärker als der Lockruf der Städte.

    Studienautorin Gerlind Weber bezeichnet die Konsequenzen als "dramatisch". "Die jungen Frauen fehlen auf dem Land nicht nur als Partnerinnen und Mütter, sondern im gesamten Sozialgefüge. Das führt zu einer regelrechten Implosion, was wiederum zur Folge haben kann, dass weitere Infrastrukturen gekappt werden müssen. Das ist ein Teufelskreis."

    Weber appelliert an die Gemeinden, Einrichtungen für junge Leute aufzubauen und zu stützen. "Das sind oft ganz banale Dinge wie Discos, Treffpunkte oder ein Pizzaservice." Für viele Orte ist das freilich leichter gesagt als getan. Denn die Gemeindekassen sind leer. Und das bedeutet sparen - an allen Ecken und Enden.


    Kommentar

    GÜNTER PILCHDilemma von GÜNTER PILCH

    Abwanderung: Wo es an jungen Frauen mangelt

    Grafik © KLZ

    Grafik vergrößernGrafik © KLZ

    "Davon geht die Welt sicher nicht unter"

    Michael Steiner ist Ökonom an der Karl-Franzens-Uni Graz

    Die steirischen Randbezirke verlieren Bewohner. Warum zieht alles in Richtung Graz?
    MICHAEL STEINER: Diese Ausdünnung, wie es sie in der Obersteiermark gibt, ist kein rein steirisches Phänomen, das ist weltweit zu beobachten. Einerseits hat sich die Mobilität erhöht und die Leute sind nicht mehr so stark an einen Ort gebunden. Und dann siedeln sich die Betriebe natürlich dort an, wo es eine gewisse Arbeitsmarktdichte gibt, also in den Zentren. Ebendort entstehen in der Folge auch kulturelle Einrichtungen, was die Attraktivität der Zentren weiter steigert.

    Was sind die Folgen?
    STEINER: In den betroffenen Regionen geht die Wirtschaftskraft verloren. Noch stehen die obersteirischen Bezirke bei den Einkommen recht gut da, aber es geht rasch bergab.

    Werden die ländlichen Regionen zur Gänze ausrinnen?
    STEINER: Ganz leer werden diese Gebiete sicher nicht. Es gibt ja auch gute Beispiele, wo sich Regionen auf eigene Stärken besinnen und so attraktiv bleiben. Die Südoststeiermark hat sich etwa mit dem Wellnessbereich gut positioniert. Jede Region muss ihre spezifischen Angebote und Vorzüge herausarbeiten. Es ist nicht auszuschließen, dass sich die Urbanisierung irgendwann wieder umkehrt.

    Eine Stadt wie Graz hat mit dem vielfältigeren Angebot aber immer die Nase vorne.
    STEINER: Ich würde es positiv sehen, dass sich um Graz ein gutes wirtschaftliches Zentrum entwickelt hat. Es wäre ein Fehler, diese Dinge nur kleinräumig zu beurteilen. Der Trend hin zur Stadt ist eben da, aber davon geht die Welt sicher nicht unter.

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