SPÖ-Vizechef rechnet mit Ortspartei Pöls ab
Johann Kaiser und Josef Traußnigg legen alle Parteifunktionen zurück, werden "wilde Abgeordnete". Ihnen missfällt die One-Man-Show von Bürgermeister Korp und dessen Rücktritt vom Rücktritt.

Foto © Bettina OberrainerJohann Kaiser und Josef Traußnigg
Es brennt im hochroten Pöls. Schuld ist nicht die sommerliche Temperatur, der Brandherd schwelt innerhalb der SPÖ: Vizebürgermeister und Ortspartei-Obmann-Stellvertreter Johann Kaiser legt sämtliche Parteifunktionen zurück und beabsichtigt, als "wilder Abgeordneter" im Gemeinderat zu verbleiben. Ebenso Sportreferent Josef Traußnigg. "Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht", kommentieren die beiden ihren "reiflich überlegten" Schritt.
Entscheidend zum Bruch beigetragen hat die von Ortschef Ernst Korp ohne Wissen der Parteikollegen in Auftrag gegebene Umfrage, die ihn als Bürgermeister-Kandidaten Nummer eins auswies und zum Rücktritt vom bereits fixierten Rücktritt bewog (wir berichteten). "Eine Meinungsumfrage zum Zweck der Selbstbestätigung", grollt man.
Vom Senioren- bis zum Jugendzentrum: "Ernst Korp macht alles alleine - bis heute. Wir bekommen keine Informationen", kritisiert Johann Kaiser, der vom ursprünglichen Plan, als Nachfolger aufgebaut zu werden, nichts merken will. "Man wird vor vollendete Tatsachen gestellt und soll dann abstimmen", beschreibt Traußnigg die Degradierung zum Handaufzeiger. Laut Nicht-mehr-Vizebürgermeister Kaiser ist die Gesprächsbasis innerhalb der Fraktion verloren gegangen - und damit "das Misstrauen ausgesprochen".
Traurig
Ein von der Rücktrittsaktion gestern am Weg in die Partnerstadt Medulin überraschter Ernst Korp nimmt die Parteirevolte keineswegs gelassen. "Es macht mich traurig", so der Ortschef gegenüber der Kleinen Zeitung. Johann Kaiser beschreibt er als "ruhigen, angenehmen Menschen, mit dem man gut reden kann". Überall sei er eingebunden gewesen, vier Jahre Zusammenarbeit hätten klaglos funktioniert. Den Vorwurf der One-Man-Show weist er zurück: "Ohne meine Leute mache ich nichts."
Die Umfrage begründet Korp damit, dass gewisse Entwicklungen die Zurücknahme von Entscheidungen verlangen und er bekniet worden sei, vom Rücktritt abzusehen. Johann Kaiser, dessen Schirmherr er selbst war, habe es offenbar nicht geschafft, sich zu profilieren. Parteiintern sind Stimmen zu vernehmen, die dem Vizebürgermeister Selbstüberschätzung und einen nicht gerade unumstrittenen Platz innerhalb der SPÖ-Fraktion attestieren. Der Wurm steckt tief im Kommunikationsgebälk - jeder wartet auf den Zuruf des anderen, sowohl Kaiser wie Korp beklagen nicht zu Stande gekommene Gesprächstermine.
Querelen, die die Verteidigung von Pöls als rote Hochburg - 72,3 Prozent für die SPÖ bei der letzten Wahl - nicht eben erleichtern. Johann Kaiser prognostiziert der Bürgermeister jedenfalls Probleme als wilder Abgeordneter und wirft ihm "parteischädigendes Verhalten" vor: Die Causa ruft nach einem internen Reinigungsprozess.
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Fakten
Nach dem Rücktritt von Ernst Staudacher aus gesundheitlichen Gründen, legte Ernst Korp sein Landtagsmandat nieder und amtiert seit dem Jahr 2000 als Pölser (Volks-)Bürgermeister. Zugleich mit ihm zog Johann Kaiser, Arbeiterbetriebsratschef der Zellstoff Pöls AG, in Gemeinderat und Gemeindevorstand ein, seit 2005 ist er Vizebürgermeister. Seit 2005 sitzt auch Josef Traußnigg, Betriebsratsobmann von Stenqvist Austria, im Gemeinderat, ist Sportreferent.
Die SPÖ erreichte bei der letzten Gemeinderatswahl 72,3 Prozent der Stimmen, am jüngsten Ortsparteitag wurde Ernst Korp mit 98,3 Prozent der Stimmen wiedergewählt.








