Buchhandlung zu haben - um einen Euro
Mehr als 2000 Menschen bisher gegen Schließung von Morawa Knittelfeld. Von Geschäftsleitung gibt es ernst gemeintes Kaufangebot.

Foto © Privat750 Menschen protestierten vergangenen Freitag vor der Knittelfelder Buchhandlung Morawa mit ihrer Unterschrift gegen die geplante Schließung
Wo kann ich unterschreiben?" Satz des Tages vergangenen Freitag in Knittelfeld, Aktionstag Nummer eins in der Causa "Erhaltung der Buchhandlung Morawa in Knittelfeld". Wie berichtet plant die Geschäftsleitung, die Filiale Ende September zu schließen. Offiziell wegen wirtschaftlicher Gründe. Das geht gar nicht, fanden bisher 750 Menschen und taten per Unterschrift ihren Protest kund. Unter ihnen ein höchst Prominenter wie Fassungsloser: Schauspieler Miguel Herz-Kestranek, unterwegs nach Fohnsdorf zu einer Lesung. "Ein Knittelfeld ohne Buchhandlung ist undenkbar", "Man kann mir meine Buchhandlung nicht einfach so nehmen", oder "Ich komme aus Leoben und und kaufe immer hier", gehört zu den von Interessensgruppen-Initiator Heimo Eggartner aufgelesenen Kommentaren.
Das geht gar nicht, finden mittlerweile zudem mehr als 1300 Unterstützer einer eigens gegründeten Facebook-Gruppe. Ein Anti-Schließungs-Bombardement dräut von politischer Seite heran, Unterschriften für den Verbleib der Buchhandlung werden in Knittelfelds Geschäften, pädagogischen Einrichtungen, Bibliotheken gesammelt. "Angesichts dieses Interesses vertrauen wir auf ein Umdenken der Morawa Geschäftsleitung", so Heimo Eggartner, selbst 30 Jahre lang Leiter des Dorados des gedruckten Abenteuers. "Ich habe noch nie eine derart einheitliche Stimmung für das Buch und die Buchhandlung erlebt."
Nur mit Garantie
Gut möglich aber, dass aus diesem Umdenken nichts wird, selbst wenn sich aus den Unterschriften ein zehnbändiges Traktat binden ließe. Außer, jeder dieser empörten Leser mutiert zum garantierten Kunden: Emmerich Selch, Leiter des Morawa-Unternehmens, untermauert im Gespräch mit der Kleinen Zeitung erneut die wirtschaftlichen Beweggründe. "Ich verstehe das Problem, brauche dazu aber keine Unterschriftenlisten. Fakt bleibt: Mit Verlusten kann ich nicht nachhaltig einen Betrieb führen."
Durchaus ernst und gar nicht provokant gemeint sei hingegen das Angebot, den Standort samt Inventar zu verkaufen. Kaufpreis: ein Euro. "Uns geht es nicht um reine Gewinnmaximierung", so Selch. Prompt wurden innerhalb der Interessensgruppe Ideen gewälzt, eine Non-profit-Buchhandlung inklusive. Auch Brigitte Dinhopel - die Familie Dinhopel ist Vermieterin der Räumlichkeit - hat bereits selbst mit einer Übernahme geliebäugelt, mit etlichen Buchhändlern gesprochen: "Keiner kann sich vorstellen, dass ein privat geführtes Geschäft nicht gehen würde."







