Diese Schüler strampeln mit Grips
Erste Ergometer-Klasse der Steiermark in der Hauptschule Lindenallee in Knittelfeld. Schüler sitzen auf dem Rad, schreiben, lesen oder rechnen dabei - und sind leiser als früher.

Foto © Josef FröhlichLehrerin Bettina Grasser hat das in Wien erprobte Projekt namens Ergometer-Klasse übernommen
Eselsbank. Diesen unrühmlichen Namen hatte früher die letzte Reihe einer Klasse. In der Hauptschule Lindenallee in Knittelfeld ist die letzte Reihe die interessanteste - sie schaut dort aus wie in keiner anderen Schule der Steiermark. Sechs Ergometer, also Fitnessräder, stehen dort und werden eifrig von 22 Schülerinnen und Schülern der 3b-Klasse geritten.
Nach einer genauen Einteilung verbringt jeder Schüler Unterrichtszeit auf dem Gerät, so dass insgesamt zwei volle Stunden pro Woche zusammenkommen. Das Rad ist mit einem Pult ausgestattet, auf dem die Kinder rechnen, schreiben, lesen und all das tun, was sie sonst in der Bank tun. Mit dem Unterschied, dass sie dabei strampeln.
Munterer
Lehrerin Bettina Grasser hat das in Wien erprobte Projekt namens Ergometer-Klasse übernommen. Dort hat es den Gesundheitspreis der Stadt Wien eingeheimst. Positive Auswirkungen sind wissenschaftlich nachgewiesen.
Die Schüler fahren gut damit: "Ich bin jetzt viel munterer", meint etwa Andreas Schübl. Und Daniel Winkler bemerkt, es sei in der Klasse leiser geworden: "Weil auf dem Rad muss man sich konzentrieren." So fällt es etwa einigen noch schwer, zu treten und gleichzeitig auf dem schrägen Pult zu schreiben.
Schüler aus anderen Klassen blicken neidisch in die 3b, berichtet Jaqueline Kleinferchner. Ihre Kollegin Natalie Wegscheider weiß: "Viele kommen in der Pause in unsere Klasse und wollen gar nicht mehr vom Rad herunter." Auch für Lehrer steht ein Ergometer zur Verfügung. "Alle Kollegen haben sich noch nicht daran gewöhnt, aber das wird schon", ist Lehrerin Bettina Grasser optimistisch. Sie hat die Räder auf leichte 25 Watt eingestellt. Unter den Schülern sind etliche Sportler, die mehr Tretwiderstand wollen. "Jetzt gewöhnt euch einmal daran, dann drehe ich euch die Watt hinauf", verspricht Grasser ihren Schützlingen.
Begeistert ist Schularzt Heimo Korber, der selbst einen Ergometer gesponsert hat: "Wenn ich sehe, wie die Kinder lernen und sich dabei bewegen, strahle ich wie ein Hutschpferd. Alle klagen immer über Bewegungsmangel, das ist eine konkrete Maßnahme dagegen."
Sponsoren haben die Anschaffung ermöglicht, etwa das Forum Gesunde Stadt oder die Privatstiftung der Sparkasse Knittelfeld, die vier Geräte beigesteuert hat. Vorstand Herbert Aigelsperger: "Als wir um finanzielle Hilfe gebeten wurden, waren wir skeptisch. Mittlerweise ist klar: Dieses Geld ist bestens investiert."
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Bild vergrößern"Schüler aus anderen Klassen sind neidisch auf uns“: Jaqueline Kleinferchner, hier auf ihrem Lern-ErgometerFoto © Josef Fröhlich









