Gerhard Kurzmann: Der unscheinbar Unscheinbare
Gerhard Kurzmann wird voraussichtlich der größte Gewinner der Landtagswahl sein. Dabei ist er auch nach vielen Jahren in der Politik ein unbeschriebenes Blatt.

Foto © Marija KanizajGerhard Kurzmann
Eine auffallend unauffällige Erscheinung ist dieser eher klein gewachsene, stets korrekt frisierte Mann, der sich immer unter Kontrolle hat. Gerhard Kurzmann wird auch nicht ausflippen, wenn er die FPÖ bei der Landtagswahl ins steirische Landesparlament zurückbringt und wenn er selber - wie es aussieht - in die Landesregierung aufsteigt.
Beharrlichkeit. Der Grazer ist kein Volkstribun und keine Wahlkampflokomotive, seine Bekanntheitswerte sind auch nach vielen Jahren bemerkenswert niedrig. Doch das macht er mit Geduld und Beharrlichkeit, mit Wahlkampftouren im halb Verborgenen und mit dem Image wett, das Heinz Christian Strache der FPÖ verpasst hat. Selbst der fast völlige Verzicht auf inhaltliche Ansagen und Ziele scheint diesen Weg nicht zu blockieren,
Übrig geblieben. In seinem Innersten wird Kurzmann den Wahlerfolg auch als späte Genugtuung für viele der Opfer empfinden, welche er der FPÖ dargebracht hat. Er hatte die blauen Trümmer, die nach dem Knittelfelder Rebellentreffen und der Abspaltung des BZÖ übrig geblieben waren, wieder zusammengefügt. Er ist als Einziger übrig geblieben, um das zu tun, nachdem die einstigen Stars von Michael Schmid über Magda Bleckmann bis Theresia Zierler verglüht sind.
National. Dieser scheinbar unscheinbare Mann hat es also faustdick hinter den Ohren. Aber dieses "es" ist nicht zu greifen. Eine Prägung ist das Deutschnationale, geerdet in der Kindheit dadurch, dass die Familie 1945 von den Tito-Partisanen aus ihrer Heimatstadt Marburg (Maribor, heute Slowenien) vertrieben wurde. Ein Onkel wurde nach Kriegsende ermordet, das wird der Neffe - der damals noch gar nicht auf der Welt war - nie vergessen. Seine Eltern seien aber keine Nazis gewesen, sagt er. Warum er das nie Erlebte nicht vergessen und offenbar nicht vergeben kann, bleibt offen.
Leugnung. Ist der Antrieb nur "normale" deutsch-nationale Gesinnung oder ideologisch schon nahe zum Nazi-Denken? Kurzmann gibt keine eindeutigen Antworten, liefert aber - gewollt oder ungewollt - Hinweise. Etwa, wenn er auf seiner Homepage an prominenter Stelle den deutschen Historiker Hellmut Diwald (1924 - 1993) zitiert, einen Mann, der die Leugnung des Völkermordes der Nazis an den Juden so geschickt formuliert, dass er dafür nie belangt werden konnte.
Kurzmann agiert ähnlich. Er ist bei keiner Burschenschaft, die Korporierten sind ihm aber wichtig. Er sei nie bei einem nach den NS-Gesetzen verbotenen Verein gewesen, betont er. Warum er hinzufügt, "Sie werden bei mir nichts finden", ist aber seltsam. Ist nichts zu finden, weil nichts da ist, oder weil es so gut verborgen ist? Jedenfalls hält er die Mitgliedschaft in der Kameradschaft IV aufrecht, eine Art Gedenkverein an die Waffen-SS. Die Begründung, dass dort "anständige Leute" seien, klingt so harmlos, als sei er bei der Freiwilligen Feuerwehr.
Massenvernichtung. Kritik, dass zu viele FPÖler zu wenig Distanz zur Nazi-Ideologie zeigten, tut Kurzmann als "Faschismuskeule" ab. Auf Anfrage stellt er klar, dass die Nazis schuld an "Massenvernichtung" tragen. Aber er hat kein Problem damit, dass viele seiner Gesinnungsfreunde das nicht so deutlich aussprechen.
Im Wahlkampf kommen diese Themen natürlich nicht zur Sprache, da forciert Kurzmann die FPÖ-Linie, die überwiegend von xenophoben und anderen schlichten Tönen begleitet wird. Damit versucht die FPÖ wettzumachen, dass ihr Spitzenkandidat ziemlich unbekannt ist. Und der wird darüber, dass sein Konterfei nicht die Plakatwände beherrscht, nicht unglücklich sein.
Features
Kurzmann im Porträt
Im Rückblick
Fakten
Gerhard Kurzmann, geb. 30. 10. 1953 in Graz.
Ausbildung. Geschichte- und Germanistikstudium in Graz.
Karriere. Gemeinderat in Graz, 1998 Nationalrat, seit 2006 FPÖ- Landesobmann.









