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Zuletzt aktualisiert: 07.10.2008 um 18:47 UhrKommentare

Steirer nahm Kranken schamlos aus: 70.000 Euro Schaden

Betrüger versprach schwer krankem Knittelfelder Heilung durch Arzt und kassierte für die Vermittlung 70.000 Euro. Doch der Arzt war nur erfunden, die Familie verlor ihr Erspartes.

Mehr als eineinhalb Jahre hat Horst L. sein Haus nicht mehr verlassen. Der 69-Jährige laboriert seit einer Wirbeloperation im Jahr 2005 an einem Nervenleiden, das schwere Schmerzen im Rücken verursacht. Schlafen kann der Obersteirer, der mit seiner Frau und der 32-jährigen Tochter in Knittelfeld lebt, nur mit starken Schmerzmitteln. Sin Bekannter Harald S., schreckte nicht davor zurück aus dem Leid des Obersteirers betrügerisch Kapital zu schlagen.

Arzt vermittelt. Für 700 Euro vermittelte er dem Kranken einen neuen Arzt, der seine Schmerzen für kurze Zeit linderte. Als dem Betrüger die Delogierung aus seiner Wohnung drohte, machte er das Geschäft mit der Hoffnung schamlos zu seiner Einnahmequelle. Er erfand einen Arzt im deutschen Heidelberg, der den Kranken heilen könnte.

Tägliche Zahlungen. "Im Frühjahr 2008 forderte der Täter fast täglich Zahlungen als Vermittlungsprovision ein", erklärt ein ermittelnder Beamter des Bezirkspolizeikommandos Knittelfeld. Das Ehepaar zahlte weiters rund 10.000 Euro für Behandlungskosten im Voraus. Die Ehefrau telefonierte sogar mit dem fiktiven Arzt, ohne zu wissen, dass am anderen Ende des Telefons Harald S. mit verstellter Stimme sprach. Immer wieder wurden fixierte Operationstermine verschoben, um den Opfern noch mehr Geld abzuluchsen.

Verstellte Stimme. Aber nicht nur das Ehepaar, auch die Tochter ließ sich vom kaltschnäuzigen Betrüger hinters Licht führen. Der 59-Jährige versprach der Frau Arbeit und verlangte 4000 Euro Provision. Und wirklich meldete sich ein Mann vom Land Steiermark telefonisch, der der Arbeitssuchenden in absehbarer Zeit einen Posten in Aussicht stellte. Doch wieder war es nur der Bekannte mit verstellter Stimme. Erst, als die Zahlungen das gesamte Vermögen der Familie verschlungen hatten und im Verwandtenkreis größere Geldsummen ausgeborgt wurden, hat ein Bekannter Anzeige erstattet. "Selbst als wir der geschädigten Familie den Sachverhalt erklärten, glaubten die Opfer zunächst nicht, dass der deutsche Arzt erfunden ist", so der Beamte.

Anzeige. Den Erhalt von 35.000 Euro hat der Täter bereits gestanden, der Schaden könnte sich aber auf rund 70.000 Euro belaufen. Der Knittelfelder wurde wegen schweren gewerbsmäßigen Betrugs auf freiem Fuß angezeigt.

RAINER BRINSKELLE

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