Leiche wegen fehlenden Arztes nicht bestattet
Weil kein Distriktsarzt verfügbar war um eine Verstorbene für die Bestattung freizugeben, konnte eine Tote nicht abtransportiert werden sondern musste über Nacht im Haus bleiben.

Foto © Scheriau
Der ehemalige Landtagsabgeordnete und im obersteirischen Amering beheimatete Peter Rieser kann es nicht fassen. Als vor wenigen Wochen seine Mutter zu Hause verstarb, konnte sie nicht für die Bestattung freigegeben werden, weil der zuständige Distriktsarzt nicht verfügbar war. "Ich war im Ausland und musste alles vom Telefon aus managen", berichtet Rieser.
Landessanitätsdirektor Odo Feenstra bringt Licht in die Sache: "Nur ein Distriktsarzt oder Gemeindesanitätsdienstarzt ist als Leichenbeschauer zulässig." Da aber vor wenigen Jahren das Land Steiermark beschlossen hat, das Modell "Distriktsarzt" auslaufen zu lassen, gibt es immer weniger Mediziner dieser Art. Der steirische Gemeindebundpräsident Erwin Dirnberger weiß: "Wir verhandeln schon länger mit dem Land und der Ärztekammer wegen dieses Problems. Das derzeitige Modell ist nicht mehr modern. Ich hoffe, dass wir in den kommenden Monaten eine Lösung finden."
Schwacher Trost
Für Rieser ein schwacher Trost: "Meine Mutter ist an einem Samstag verstorben. Erst am nächsten Tag wurde sie eingesargt. Aber nur weil ein netter Arzt aus Unzmarkt sich bereit erklärt hat, die Leichenbeschau vorzunehmen." Weder diensthabende Distriktsärzte in Judenburg und Zeltweg waren bereit auszuhelfen. "Sie haben gesagt, dass sie nicht zuständig sind und kein Geld bekommen", ist Peter Bacher, Bürgermeister von Amering empört. Die logische Konsequenz war, dass der Gemeinderat nun mit einem anderen Arzt einen Vertrag als Gemeindesanitätsdienstarzt geschlossen hat, damit "das nicht noch einmal passiert", so Bacher. Man habe in Amering noch nie so einen Fall gehabt. "Es war einfach eine furchtbare Situation für die Familie", so Bacher.
Auch Dirnberger möchte so schnell wie möglich zurück an den Verhandlungstisch: "Es wird Zeit für eine Einigung. Eine Möglichkeit wäre ja die Ausweitung des Bereitschaftsdienstes. Natürlich muss auch das Honorar stimmen." Für Rieser ist auch klar: "Wenn ich nicht als Politiker meine Kontakte gehabt hätte, wäre die Leiche meiner Mutter noch länger zu Hause gewesen."







