Vermisst: Kein Fall gerät in Vergessenheit
Rund zwei Millionen Menschen werden weltweit vermisst. 71 sind es derzeit in der Steiermark, unter ihnen 18 Jugendliche. Der internationale Gedenktag soll am Dienstag an sie erinnern.

Foto © BreiteggerVermisst: Johanna Mauerhofer, Maria Streibl und Hubert Schmied
Johanna Mauerhofer (47) war Taglöhnerin in der Oststeiermark - und sie trank gerne Most, was ihr den Spitznamen "Mosthanni" einbrachte. Am 7. Oktober 1967 verschwand sie in Obertiefenbach spurlos. Sie verließ das Dorfgasthaus gegen 22.30 Uhr. Danach wurde sie nicht mehr gesehen. Lediglich ihren Steckkamm, mit dem sie ihre Haare befestigt hatte, fanden Passanten einige Tage später unweit ihrer Unterkunft.
Vieles deutete damals auf einen Raubmord hin. Ein junger Mann aus der Nachbarschaft wurde sogar in Untersuchungshaft genommen. Weil die Leiche nie gefunden wurde, konnte ihm der Mord aber nicht nachgewiesen werden.
Verschwunden
Johanna Mauerhofer ist eine jener vermissten Personen, die im Landeskriminalamt als sogenannte Langzeitabgängige aufscheinen. Ihr Schicksal wird sich wohl nie mehr klären lassen, denn der Verdächtige ist bereits verstorben.
Kaum Hoffnung besteht auch im Vermisstenfall der Obersteirerin Maria Streibl., die zwischen dem 20. und 21. April 1974 verschwunden ist. Vieles deutet darauf hin, dass die damals 39-jährige Frau aus Judenburg Opfer einer Gewalttat wurde. Jahrelang ermittelte die Mordgruppe der Gendarmerie-Kriminalabteilung, aufgeklärt konnte der Fall bis heute nicht werden.
In seiner Unterkunft lagen mehrere Tausend Euro. Ein Raubmord wird daher ausgeschlossen. Aber was geschah am 17. Oktober 2003? An diesem Tag verliert sich die Spur des Gastwirtes Hubert Schmied aus Aflenz-Land, damals 43 Jahre alt. Es gab Kontakte ins Rotlicht-Milieu. Wurde Schmied beseitigt? Ein Mord kann nicht ausgeschlossen werden, sagen die Ermittler. "Husch", so der Spitzname des Wirtes, sei untergetaucht, glaubt ein Freund, der 1988 selbst abgehauen und erst nach fünf Jahren wieder aufgetaucht war.
Drei Vermisste, drei Schicksale, stellvertretend für 71 Langzeitabgängige in der Steiermark, unter ihnen 18 Jugendliche. "Einige von ihnen leben mit Sicherheit nicht mehr", glaubt Oberstleutnant Erwin Strametz (LKA). "Aber wir geben nicht auf und schauen uns die Fälle immer wieder an."
Am "Tag der Verschwundenen" am 30. August wird weltweit an die Vermissten gedacht.
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Zahlen und Fakten
Der internationale Tag der Verschwundenen wird jährlich am 30. August begangen. Es ist ein Gedenktag, der an das Schicksal derer erinnern soll, die spurlos verschwunden sind.
In der Steiermark wurden heuer bereits 423 Personen als abgängig gemeldet, um 16 Prozent mehr, als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.









