Wozu?
Mit Bild und Text verarbeitet Anna Diethart künstlerisch den Suizid ihrer Schwester. Eine berührende Ausstellung im Stadtmuseum Judenburg.
Unverstanden. Ungerecht. Allein gelassen. Wann ist genug? Was ist zu viel? Texte, von Hand geschrieben und von einem übervollen Herzen gelenkt, wie die Fotos, die den Raum im Stadtmuseum Judenburg in eine berührende Atmosphäre tragen. Schatten und Licht, wuchtig schwarz und filigran zugleich wie das handgeschöpfte Büttenpapier. Es wellt sich unter den Bildern wie das Auf und Ab des Lebens. Ehrfurchtsvoll steht man vor dieser Größe, vor diesem Aufbäumen gegen das Unerträgliche, das da heißt: Suizid.
Vor genau zwei Jahren entschied Heidi Diethart, diese Welt zu verlassen, ihre Schwester Anna zeigt nun eine künstlerische Aufarbeitung zum Thema. Ja, gerade jetzt, inmitten des oft allzu grellen Advent da draußen. Gerade jetzt lässt Museumschef Michael Schiestl das Anliegen, sich einem Tabu zu nähern, in der Öffentlichkeit ankommen.
Spuren
Spuren und Tropfen, Äste, Blüten und Stimmungen bieten der Verdrängungskultur eindrucksvoll die Stirn. Dazu diese Texte, sie hauchen eine Ahnung von Gewalt und Demütigung, vom Unterschied zwischen schönem äußeren Schein und innerer Zerbrochenheit. Von der Frage nach der Schuld und dem großen Wozu.
Anna Diethart möchte einem größeren Verständnis suizidgefährdeten Menschen und deren Angehörigen gegenüber die Bahn ebnen. Für ihr Lieblingsbild hat sie den Reisepass der Schwester auf ein Netz gehängt. Es ist voller Knoten, gleich einem Herz voller Narben.
Features
ZUR AUSSTELLUNG
Anna Diethart, geboren 1977 in Oberzeiring, Diplom an der Akademie für angewandte Fotografie in Graz. Gemeinschafts- und Einzelausstellungen in der Steiermark. Hauptberuflich Pharmareferentin, lebt in Judenburg
"Diagnose: Suizid", bis 23. Dezember sowie von 10. bis 28. Jänner im Stadtmuseum Judenburg, Mo bis Fr von 8 bis 14 Uhr bzw. nach telefonischer Vereinbarung, Tel. (03572) 85 053.








