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Zuletzt aktualisiert: 17.11.2010 um 21:23 Uhr

Wut und Frust ließen Mutter zu Brandstifterin werden

41-jährige Mutter gestand, den Brand in Judenburg aus Zorn auf ihren Mann ausgelöst zu haben. Den Tod ihrer Kinder habe sie aber nicht gewollt. Jugendwohlfahrt hatte die Familie betreut.

Die 41-jährige Mutter, die selbst eine schwere Rauchgasvergiftung erlitten hatte, wurde mittlerweile aus dem Krankenhaus entlassen und festgenommen

Foto © Sonja Haider-KrätschmerDie 41-jährige Mutter, die selbst eine schwere Rauchgasvergiftung erlitten hatte, wurde mittlerweile aus dem Krankenhaus entlassen und festgenommen

Einen Tag nachdem sie aus ihrem brennenden Haus geflohen ist, kehrt Esther F. am Mittwochnachmittag in die Brandruine in der Judenburger Paradeisgasse zurück. Nicht als Opfer, sondern als Verdächtige in einem Kriminalfall. Bei einer Tatrekonstruktion soll die 41-Jährige den Kriminalbeamten, der Staatsanwältin und einem Gutachter zeigen, wie es zu dem Brand kam, bei dem ihre beiden jüngsten Kinder Esther (6) und Enrico (8) ums Leben kamen.

Denn wie die Kleine Zeitung bereits am Mittwoch berichtete, soll die fünffache Mutter das Feuer in ihrem Haus selbst gelegt haben. Nun gibt es auch ein Geständnis. Aus Ärger auf ihren Mann habe sie gezündelt, niemals aber ihre Kinder in Gefahr bringen oder sogar töten wollen, erklärte sie.

Früher als erwartet kann die 41-Jährige, die beim Brand eine Rauchgasvergiftung erlitten hatte, aus dem Spital entlassen und zum Lokalaugenschein in die Paradeisgasse gebracht werden. Punkt 14 Uhr rollt der schwarze Audi mit der Gerichtskommission und Esther F. vor - bereits erwartet von einer Handvoll Fotografen und Kameraleuten. Tief auf dem Rücksitz zusammengekauert entzieht sich die Frau den Objektiven. Im Haus bringen Feuerwehrleute weiße Planen an den rußgeschwärzten Fensteröffnungen an und sorgen so für Schutz vor neugierigen Blicken. Dahinter schildert die 41-jährige Judenburgerin, was in diesen Mauern in der Nacht auf Dienstag wirklich vorgefallen ist.

Esther F., seit Längerem alkoholkrank, hatte wieder einmal getrunken. Und wie immer in diesem Zustand sei sie ihrem Mann Helmut gegenüber sexuell zudringlich geworden. Der aber wich ihren Annäherungen aus, indem er das Haus verließ. "Zigaretten kaufen", wie er sagte.

Nun sei sie alleine auf dem Sofa im Wohnzimmer gesessen, wütend und frustriert. Und habe ein Handtuch genommen, das in Griffweite lag, es einfach angezündet. Eine Weile soll die Frau dabei zugeschaut haben, wie es brennt. Dann griffen die Flammen auf die Möbel über und breiteten sich blitzschnell im Wohnzimmer aus. Erst jetzt versuchte die Obersteirerin, die Flammen zu ersticken, stand aber auf verlorenem Posten. Sie flüchtete vor dem Feuer, kletterte über das WC-Fenster ins Freie. Dass ihre Kinder im Obergeschoss schliefen und in Lebensgefahr waren, sei ihr zu spät bewusst geworden.

Viele Zuseher

"Sie stand da mit kohlschwarzem Gesicht und verhielt sich so, wie man es von einer Mutter in so einer Situation erwartet. Nichts deutete darauf hin, dass sie selbst das Feuer ausgelöst hat", erinnert sich Feuerwehrchef Karl Pichler. Auch er schaut kurz beim Lokalaugenschein vorbei, seine Kameraden haben mit einem Stromaggregat für die nötige Ausleuchtung zu sorgen. Viele der übrigen Zuseher vor dem Haus sind aus anderen Motiven gekommen. "Der kleine Bub war ja arm, man hat ihn in der Schule immer gehänselt, weil er so schmutzig und verwahrlost dahergekommen ist", erzählt eine der Frauen.

Tatsächlich hatte die Jugendwohlfahrt Familie F. seit dem Frühjahr unter Beobachtung, bestätigt Bezirkshauptfrau Ulrike Buchacher. Die mobile Betreuung habe gut funktioniert, eine derartige Tragödie sei niemals absehbar gewesen.

Nach rund eineinhalb Stunden ist der Lokalaugenschein vorbei. Laut Walter Plöbst, Sprecher der Staatsanwaltschaft Leoben, verhielt sich Esther F. am Tatort kooperativ und gefasst. Anwesende beschreiben ihren Zustand eher als emotionslos, fast kühl. Mit hochgezogenem Pulloverkragen wird sie wieder an den Journalisten vorbeigebracht.

Jetzt wartet die U-Haft auf die 41-Jährige. Und eine Anklage wegen Brandstiftung mit Todesfolge. Strafrahmen: fünf bis zehn Jahre Haft.

WILFRIED ROMBOLD, HANS BREITEGGER

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Die sechsjährige Esther hatte Foto © Behounek

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Foto © Privat

Der achtjährige EnricoFoto © Privat

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