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Zuletzt aktualisiert: 24.11.2009 um 20:27 UhrKommentare

Ein blaues Auge vor dem nächsten schwierigen Jahr

Bei Stahl Judenburg hat sich der Umsatz gegenüber 2008 halbiert. Investitionen sollen Standort weiter sichern. Gestern war Hauptversammlung.

Foto © APA/Sujet

Zigarettenqualm nebelt auf, durch die Scheiben der Betriebsfeuerwehrhalle kämpft sich die Sonne. Sie hat es wahrlich schwer gehabt zu scheinen, in diesem Jahr 2009. "Wie soll es uns gehen? Glauben Sie ans Christkind? Der Arbeiter wird immer gedrückt..." sagt einer, der seit 30 Jahren hier sein Brot verdient. Da war längst aus dem Sack, dass die Stahl Judenburg gegenüber den 107 Millionen Euro Umsatz im Jahr 2008 heuer magere 51 Millionen Umsatz bilanziert. Und ein Minus von knapp sieben Millionen Euro.

Jahreshauptversammlung gestern bei dem renommierten Judenburger Unternehmen. Die "Krise" hat ihm einen Schlag hart wie Blankstahl verpasst - "wir sind innerhalb kurzer Zeit massiv abgestürzt", so Geschäftsführer Ewald Thaller. Weder die EU noch Nordamerika geben in der Weltwirtschaft den Ton an, sondern Asien: Es erledigt bereits 66 Prozent der Weltstahlproduktion. Besonders in Mitleidenschaft gezogen wurden die Judenburger ausgerechnet in ihrem Vorzeigebereich Hydraulik.

Dennoch: "Wir konnten 2009 ganz gut meistern", meinte Thaller, und kündete von sieben neuen Arbeitsplätzen bei der Komponentenfertigung. Apropos: 227 Arbeiter, 79 Angestellte, 14 Leiharbeiter und 19 Lehrlinge ist man derzeit stark, 2010 wird eine Steigerung auf insgesamt 340 Mitarbeiter angepeilt. Von einer "Stabilisierung auf niedrigem Niveau" spricht der Chef, durch die inzwischen leeren Lager sollte es zu Nachbestellungen kommen.

Obwohl erneut ein "ganz schwieriges Jahr" blüht, wie der technische Geschäftsführer Niels Vieweg gar nicht rosa malte. Sukzessive investieren (drei Millionen Euro) will die Geschäftsführung aber - das habe auch dem Walzwerk das Leben gerettet: "Wenn wir dort den neuen Ofen nicht hätten, man hätte über dieses Werk diskutiert." Überhaupt gelte es weiterhin, den Eigentümer (die Georgs Marienhütte Holding) im Sinne der

Standortsicherung zu überzeugen, erwirtschaftetes Geld in Investitionen zu stecken.

Ohne Kosten sparende Maßnahmen ging es heuer nicht. "Bildungskarenz war zu wenig, wir einigten uns auf Kurzarbeit", erinnerte Arbeiterbetriebsratschef Roland Rohrbacher. Er moderierte die Versammlung. Bis Februar wurde die Kurzarbeit verlängert.

"Wir müssen froh sein, überhaupt Arbeit zu haben. Sonst ist man eh gleich weg", hört man später aus der Arbeiterschaft, die sich großteils zufrieden mit der Geschäftsführung zeigt. "Leute, mit gegenseitigen Anfeindungen gewinnen wir überhaupt nichts", hatte Ewald Thaller auch in den Saal gerufen, anspielend auf die eine oder andere rebellische Kampfansage.

"Vielleicht sind wir mit einem blauen Auge davongekommen. Über die Krise wird ja anderswo entschieden", analysiert Anton Kleemaier, seit 36 Jahren im Walzwerk und knapp vor dem Ruhestand. Etliche haben die Halle schon verlassen. Feierabend nach der Frühschicht. Und die Sonne kämpft noch immer.

BETTINA OBERRAINER

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