Diagonale: Ein goldener Vorgeschmack, gar nicht irreal
Filmstudent Richard Wilhelmer aus Judenburg schaffte mit seinem ersten Kurzfilm gleich den Sprung zur Diagonale. Ein unkonventioneller, experimenteller Streifen mit Robert Stadlober. Premiere Mittwochnacht.

Foto © Richard Wilhelmer
Am Mittwoch um 23 Uhr legte sich die große Dürre über die Erde. Keine Bange, nur im Kino. Was grausam klingt, hat einen romantischen Namen: "The Golden Foretaste of Heaven." Ein gebürtiger Judenburger, 25 Jahre jung, gewährt diesen goldenen Vorgeschmack auf den Himmel, hat mit seinem ersten fertiggestellten Kurzfilm gleich den Sprung zur Diagonale geschafft: Richard Wilhelmer studiert experimentellen Film (Prof. Heinz Emigholz) an der Universität der Künste Berlin, wo in eineinhalbjähriger Arbeit der Streifen entstand. In unkonventioneller Weise: Wilhelmer verzichtet auf 3D-Effekte, will die Welt anhand von Fotomontagen "echter" machen. Also ab in die "Blue Box", wo man ohne reale Anhaltspunkte auskommen muss. Sämtliche Hintergründe sind artifiziell gebaut, nichts spielt tatsächlich auf der Straße.
Chance. Keine leichte Aufgabe für die Protagonisten, aber die Hauptrolle - der junge Soldat Chance - hat einen auserwählten Namen: Robert Stadlober vertraute blind der Chemie, die zwischen ihm und Regisseur "Richie" stimmte, und: Der 20 Minuten lange Film wird Stadlobers Qualitätsansprüchen voll gerecht. "Form und Art der Arbeit machen ihn zu einem etwas anderen Kurzfilm", meinte er gestern.
The Golden Foretaste of Heaven: Auch das Drehbuch dieser epischen Geschichte über die Wiedergeburt der Menschheit entsprang der Phantasie Richard Wilhelmers. Science Fiction pur, sozusagen.
Erfolg. Alles andere als irreal ist der Erfolg, auf Anhieb bei dem österreichischen Filmfestival gelandet zu sein. Den der Jungregisseur nicht erwartete, aber erhoffte: "Das Festival ist großartig, und die Einreichung war mir allein deshalb wichtig, weil ich aus der Steiermark komme. Eine gute Gelegenheit, wieder etwas länger zu Hause zu sein", freut er sich.
Lebt, arbeitet und studiert der junge Mann doch seit seinem Abschluss an der Ortweinschule Graz (Kunst und Design mit Auszeichnung) in Berlin, zwischenzeitlich am Central Saint Martins College in London. Und im Spätsommer ruft Los Angeles: Richard Wilhelmer hat ein Stipendium am kalifornischen "Institute of Arts" geschafft, macht dort ein Jahr lang in Regie.
Oscar. 25 Jahre jung, noch in Ausbildung und "erst" einen abgeschlossenen Kurzfilm auf der Rolle: Darf man da schon von einem Oscar träumen, nachdem dieser in jüngster Vergangenheit in Österreich wieder für Furore sorgte? Gewiss würde der bedeutendste oder zumindest populärste Filmpreis der Welt Richard Wilhelmer freuen, "aber es gibt auch wichtigere Auszeichnungen". Abseits des Mainstream nämlich.
Mehr Abwechslung. Die heimische Filmszene kann sich laut Wilhelmer auf internationaler Leinwand durchaus sehen lassen, bloß ein wenig mehr Abwechslung und Mut würden ihr nicht schaden.
The Golden Foretaste of Heaven: Vielleicht vermag der Mut dieses experimentellen Streifens zu imponieren. Und der goldene Vorgeschmack auf den Himmel öffnet eine Pforte.
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The Golden Foretaste of Heaven: Drehbuch, Regie und Produzent Richard Wilhelmer (25), Student an der Universität der Künste Berlin. Ein Film über eine versinkende Welt, einen fliehenden Präsidenten und einer Prophezeiung zur Rettung des Planeten. Gestaltet als Zwischenweg aus Animation und realem Schauspiel. Premiere in englischer Sprache.
Hauptrolle: Robert Stadlober.







