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Zuletzt aktualisiert: 18.07.2008 um 20:06 UhrKommentare

Helden und Aliens: Neue Oper von Steirer Jörg Zwicker

Der steirische Cellist Jörg Zwicker hat mit seiner "Capella Leopoldina" und zwei Sängerinnen eine Oper aufgenommen, die es gar nicht gibt. Dafür klingt sie ganz schön schön.

Foto © APA

Die Oper "Almirante", die die spannende Liebesgeschichte des gleichnamigen Kriegshelden und der Königstochter Elmira erzählt, wird man in Werkverzeichnissen vergeblich suchen.
JÖRG ZWICKER: Ja. Ich sollte eine CD mit schönen Barockduetten für Sopran und Alt zusammenstellen. Aber ich bin gegen Sammelsurien. Also wuchs die Idee, einzelne Werke zu einer "neuen Barockoper" zu gruppieren.

Und die Klammer?
ZWICKER: Schufen unser Lautenist Ugo Nastrucci, der farbenreiche Rezitative komponierte, und Thomas Höft, der überleitende Libretto-Teile schrieb.

Ihre Auswahlkriterien?
ZWICKER: Auf den Zugfahrten von Graz nach Wien, wo ich ja auch unterrichte, sortierte ich nach Tonarten, verbindenden Instrumentalstücken und passenden Komponisten und kam so auf Purcell, Händel, Bach und Fux.

Eine Semmering-Oper also. ZWICKER: Ja, sozusagen (lacht). Es war eine Baustelle mit vielen Risiken, aber selbst ich als Purist stehe zum Ergebnis, weil es wunderbar funktioniert. Außerdem hatten wir neben der Altistin Lydia Vierlinger, mit der wir schon eine Händel-CD aufgenommen haben, mit Deborah York eine zweite hervorragende Solistin, die etwa schon unter John Eliot Gardiner gesungen hat.

Ihre "Capella Leopoldina" halten Sie auch sonst auf Trab?
ZWICKER: Glücklich war ich zuletzt mit dem "Tagebuch einer musikalischen Reise" - Werke rund um unseren Namensgeber Leopold I., Burgschauspieler Martin Schwab las Texte aus der Habsburgerzeit, die ich mühevoll in Bibliotheken ausgegraben hatte.

Und Ihr Projekt "Fusion"?
ZWICKER: Mit der Band "Amen" des Jazzgeigers Bernie Mallinger gab es schon Proben und Auftritte der besonderen Art. Wen sich da ein Zinkist und ein Saxophonist gegenüberstehen, ist das wie ein Treffen von Aliens. Aber was schon Thema meiner Diplomarbeit war: Barock, Jazz und Volksmusik haben viel gemein, von der Basslinie bis hin zur Improvisation. Wir gehen vom selben Gerüst aus, also etwa vom berühmten "Greensleeves", aber jeder bleibt bei seinem Leisten. Ein spannender Lernprozess, der enorm Spaß macht. Im Herbst gibt's die CD dazu, Konzerte in Berlin und Singapur sind in Aussicht.

INTERVIEW: MICHAEL TSCHIDA

Zur Person

Jörg Zwicker wurde 1969 in Judenburg geboren.
Karriere: Musikstudien in Graz, Den Haag und Basel. Barockcellist, gründete 1992 die "Capella Leopoldina", 40 CD-Einspielungen, lehrt in Graz und Wien.
CD-Tipp: "Almirante" (Phoenix).

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