Gemeinderäte zur Kasse gebeten
Naturerlebnispark Hohentauern in Finanzproblemen: Mandatare, die einst Haftungserklärungen unterschrieben, forderte kreditgebende Bank nun zum Zahlen auf. Anwälte alarmiert.

Foto © Steiermark Tourismus
Der Naturerlebnispark Hohentauern zahlungsunfähig? Noch nicht, dementiert Geschäftsführer Erich Moscher. Aber die kreditgebende Bank forderte die haftenden Gemeinderäte dieser Tage per Schreiben zur Zahlung auf - und trieb ihnen den Schweiß auf die Stirn. Voran VP-Mann Ignaz Leitner, einer von je vier Mandataren, die noch unter SP-Bürgermeisterin Isolde Leitner einmal für 49.000, später für 110.000 Euro ihre Unterschrift leisteten. Die Haftungserklärung sei notwendig gewesen, um in den Genuss von Tourismus-Fördergeld für den Erlebnispark zu kommen. Dessen Konzept Ignaz Leitner stets skeptisch gegenüberstand.
Unterschrieben wurde offenbar im Glauben, dass die Gemeindeleitung dies wie üblich vom Land als Aufsichtsbehörde absegnen lässt. Allerdings gilt unter Juristen die Meinung, dass eine Bank ohne bewilligte Erklärung gar keinen Kredit gewähren darf. Genau dieser Auffassung ist der Anwalt, der den derzeitigen Bürgermeister Heinz Wilding (SPÖ) vertritt - er soll bei der heutigen Gemeinderatssitzung in Hohentauern Auskunft erteilen.
"Gutgläubig". "Wir waren gutgläubig und haben uns verlassen", ärgert sich Ignaz Leitner und lässt sich über seine Partei ebenfalls rechtlich beraten. Er fühlt sich gar "auch verantwortlich für die Gemeinderäte der SPÖ, weil sie von ihrer Partei im Regen stehen gelassen werden", so Ignaz Leitner
Politisches Kalkül. Der Bürgermeister betont, dass ihm politisches Kalkül fern liege in dieser Causa, die er sozusagen "geerbt" hat: "Ich möchte es auf Sachebene lösen und werde alles daran setzen, dass niemand einen Cent zahlen muss." Er glaubt nicht, dass es überhaupt dazu kommt, dass diverse Rechtsmeinungen tatsächlich ausjudiziert werden müssen. Seitens der Bank - eine Stellungnahme des Direktors kam gestern nicht zu Stande - habe er die Zusage erhalten, dass man vorerst nichts unternehmen, der Gemeinde nicht den Weg verbauen werde.
Attraktion. Klar ist für Heinz Wilding, dass der Erlebnispark als wichtige Attraktion für den Sommer erhalten bleiben muss. Erste Mahnungen trudelten Ende des Vorjahres ein, an der Sanierung werde schon seit geraumer Zeit gearbeitet.
Grobes Konzept. "Ja, es gibt ein grobes Konzept", bestätigt Geschäftsführer Erich Moscher. Von Pleite könne allein deshalb keine Rede sein, weil er persönlich für den gesamten aushaftenden Teil bürge. Ins finanzielle Wanken ist man laut Moscher geraten, weil das Projekt nie ausfinanziert war, der Bergbau unerwartete Kosten verursachte und Sponsorgeld nicht in erwarteter Höhe lukriert werden konnte. Von der Idee ist der Touristiker nach wie vor überzeugt: "Wir brauchen den Park dringend. Er war auch entscheidend für die Errichtung unseres zweiten Feriendorfes."








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