Frischer Wind und "die einzig wahre Brettljause"
Die Klosterneuburger Hütte lag darnieder, nun schreitet der neue Eigentümer, Architekt Titus Pernthaler, mit ihr in Richtung gehobene Qualität. Ein Ausflug zwischen Kaiserschmarren und Schlittenfahrt.

Foto © OberreinerArchitekt Titus Pernthaler
Scharf, schärfer, Lachtalwind. Unverwechselbar eisig bläst er uns auf den letzten Metern am Weg zur Hütte entgegegen. Fein, dass drinnen schon Feuer flackert. "Holz werden wir noch brauchen", bespricht Wirt Peter Muhrer später mit seinem Chef Titus Pernthaler. Schließlich wird hier, Tischherd inklusive, mit Holz geheizt. Hier droben, auf 1900 Metern Seehöhe, in der Klosterneuburger Hütte. Zeiringgraben 54. Wo die Windräder vor dem neuen Panoramafenster eine flotte Polka kurbeln.
Errichtet anno 1928/29, ist die Hütte seit Jahrzehnten ein Begriff. "Die kennt ja wirklich jeder", weiß der gebürtige Gratkorner Muhrer. Er hat sich als Geschäftsführer und Küchenchef hier einquartiert. Und Titus Pernthaler, der Architekt, dessen siegreiches Wettbewerbsprojekt im Zuge der Windpark-Genese nicht realisiert wurde, hat im Vorjahr kurzerhand selbst zugeschlagen. Der Alpenverein hatte die Hütte zum Verkauf offeriert. Statt des spacigen, einem Rotorblatt nachempfundenen Neubaus, bringt der gebürtige Fohnsdorfer nun das bestehende Gebäude auf den modernsten Stand.
Seit Jahrzehnten
Seit Jahrzehnten ist die Familie Pernthaler privat am Lachtal stationiert, Vater Walter war Mitbegründer der Lift KG. "Ich fühle mich dem Gebiet verbunden, aber mit einer städtischen Weltanschauung", versteht sich Titus auch in Bergeshöh nicht als Folklore-Freak. Deshalb möchte er hier behutsam in Richtung gehobene Qualität schreiten, die Speisekarte nicht in Gulaschsuppe ertränken. Schon jetzt köcheln Chili und schmort Lasagne, es gibt Raclette auf Vorbestellung und deftiges Hüttenbrot statt Toast. Und, so Peter Muhrer, "die einzig wahre Brettljause in ganz Steiermark und Kärnten".
Hausgemacht
Freilich wird das kulinarische Standardprogramm - die Schnitzel- und Schmarrenfraktion sei unbesorgt - nicht ignoriert. Und die junge Dame Lara beißt genussvoll in ihren Klosterneu-Burger, während in der Küche hausgemachte Leberknödel in Suppenschalen purzeln. Dosenware wie Fertigprodukte sind (fast) tabu, und apropos Unerwünschtes: "Wir sind eine Nichtraucherhütte - ohne Kompromisse!" stellt Titus Pernthaler klar.
Gewiss ist eine Wiederbelebung in dieser Höhenlage gerade im Winter kein Strandurlaub, die aufwendige Ver- und Entsorgung lässt sich nur per Pistengerät von der Lachtal-Seite aus bewerkstelligen. Zumindest drei Monate lang ist die Höhenstraße nämlich unpassierbar.
Nun mag der Lachtalwind Straßen und Wege zuwehen, Pernthalers Ideen verbläst er nicht. Innen hat er schon alles auf freundliche Lärche getrimmt, bietet 70 Sitzplätze in Gastraum und Stüberl. Die Sonnenterrasse mit 80 Sitzplätzen überdacht ein Glasbau. Übernachten ist derzeit noch nicht möglich, fünf Zimmer sowie zwei Mehrbetträume mit 29 Schlafplätzen sind der Bauplan nach der Wintersaison. Natürlich hängt jede Erweiterung von der wirtschaftlichen Lage ab, das positive Echo nach nur einem Betriebsmonat stimmt jedoch optimistisch.
Scharf, schärfer, Lachtalwind. Er begleitet uns auch auf der Schlittenfahrt talwärts. Hält die Erinnerung an das wunderbare Panorama und das behagliche Feuer lebendig.








