Alte Puten - neue Zucht
"Söbsa" feiert Zehn-Jahres-Jubiläum mit außergewöhnlichem Projekt.
Wir geben arbeitslosen Menschen das Gefühl, gebraucht zu werden. Es stärkt ihr Selbstbewusstsein und gibt ihnen Kraft für den Rest ihres Lebens." Das also ist das Geheimrezept von Hans Moosbrugger, Geschäftsführer des Arbeitsprojektes Söbsa (Sozial-, Öko- und Beschäftigungsservice Aichfeld), der mit seinem Team heuer das zehnjährige Bestehen der gemeinnützigen Gesellschaft begeht.
Zurück zur Arbeit
550 Transitarbeitskräfte wurden in den vergangenen Jahren in den Bereichen Gebäudereinigung, Grünanlagenpflege, Entrümpelung und im Kleiderladen betreut. "Gut 38 Prozent der Klienten konnten im Anschluss erfolgreich in den Arbeitsmarkt integriert werden", kann sich die positive Bilanz sehen lassen. Doch Moosbrugger ist sich bewusst, dass Söbsa nur einen Anstoß geben kann. "Das Wichtigste ist, in welcher Umgebung sich die Menschen nach der Arbeit aufhalten. Davon hängt ab, ob sie es schaffen oder nicht."
Einer, der es geschafft hat, ist Karl Dörflinger. Als Transitmitarbeiter entwickelte er die Idee des Anbaus von Bio-Gemüse und verschiedenen Kräutern. "Alte und unbekannte Sorten werden dabei von uns kultiviert und verkauft", erklärt Moosbrugger einen Teilbereich seines jüngsten Projekts - dem "Söbsa Gartl" in Fohnsdorf. Die Produktion von natürlichen und rein biologischen Nahrungsmitteln ist ihm ein großes Anliegen. "Man sieht, dass die Bauern in der Region dem Druck der Großproduktion nicht mehr standhalten können", so Moosbrugger. "Wir haben je
doch die Möglichkeit, in dieser Nische einzusteigen." Auch mit einem zweiten Standbein.
Gefährdete Nutztierrassen
Es handelt sich dabei um die Geflügelzucht gefährdeter Nutztierrassen. Genauer gesagt um russische Graugänse, indische Laufenten, Zwerghühner und Bronzeputen. Das Besondere daran erklärt Söbsa-Geflügelexperte Werner Gruber: "Von den wilden Truthühnern, einer Rasse, die aus Amerika zu uns gekommen ist, gibt es europaweit nur mehr einen Bestand von etwa 300 Stück." Im Gegensatz zu den bei uns verbreiteten weißen Truthühnern, brauchen sie in ihrer Entwicklung länger bis zur Schlachtreife. Für eine Mast sind die Tiere ungeeignet und eine Zucht ist nur möglich, wenn man den Vögeln den entsprechenden Auslauf ermöglicht. "Das Ergebnis ist biologisches Fleisch ohne Antibiotikum. Und das schmeckt man", ist Gruber überzeugt.
Mit Tommy und Annika wurde die Zucht im Vorjahr gestartet. Bis zum kommenden Herbst soll der Bestand auf 250 Tiere aufgestockt sein. Und für die Fohnsdorfer könnte es nächstes Jahr Anfang November vielleicht schon heißen: Bio-Bronzepute statt gemästetem Martinigansl.








