Nur eine traute sich über die Bröselkrippe
Rom weckte ihre Begeisterung, in Seckau ist sie gestrandet: Wir nahmen Platz auf dem wackligen Sessel von Restauratorin Lisl Sager.

Foto © Kleine Zeitung DigitalIm Stift Seckau findet derzeit eine Krippenaustellung statt
Schnürlsamthose, lockerer Pulli, die Hände in den Hosentaschen. Falls nicht gerade Hämmerchen oder Stemmeisen betätigt werden müssen. In burschikoser Pose lehnt sie am Türstock, grinst über den wackligen antiken Sessel, den Willibald Eisenbeutel der Besucherin hinstellt: "Ich brauch einen Restaurator." Sehr witzig. Ist sie doch höchstselbst eine solche, und Bildhauerin noch dazu: Lisl Sager. 78 und ganz schön cool.
Krippen. Unübersehbar in ihren Arbeitsräumen in dem Seckauer Haus, dass Krippen ihr großes Hobby sind. Und Spielzeug: Wer vor dem Gutshaus - eigentlich Anschauungsobjekt für höhere Töchter - steht, bekommt große Augen.
Details. Das Lavoir, der Flügel, Bücher, das Porzellan im Schränkchen - unzählige allerliebste Details, selbst gefertigt. Und dieses elegante Gefäß zwischen Pinocchio und Puppenkind? Ein kaiserlicher Suppentopf aus dem Fundus von Erzherzogin Valerie. Die Lokomotive wiederum gehörte einem Fohnsdorfer Bergmann.
Großvater. Pater Prior Severin kommt herein. Auch Spielzeug aus seinem Wiener Elternhaus - sogar dieses selbst maßstabgetreu - lagert in Sagers Stube, ehe es zur großen Weihnachtsausstellung in der Abtei übersiedelt. Der Großvater war Modelltischler. "Ein Könner", erinnert sich der Pater und hält einen kleinen Hammer hoch: "Damit machte er alles." Küche und Schulklasse, Bauernhof, Standuhr und Plumpsklo.
Faible. Auch Lisl Sager ist begeistert. Ihr Faible für Krippen wurde einst in Rom geweckt: "Da war eine wunderschöne, zerbröselte neapolitanische Krippe. Es traute sich kein Restaurator drüber - also hab' ich es gemacht." Wenn sie nur wüsste, wie viele Krippen sie seither gefertigt hat... Alles Auftragsarbeiten, von der Eisenbahnerkrippe in Villach bis zu ihrer Lieblingskrippe in der Seckauer Basilika.
Wachs und Terracotta.Keine Figur gleicht der anderen, das Ergebnis ergibt der Arbeitsprozess. Die Köpfe formt sie aus Wachs und Terracotta, kleidet ein in Stoffreste, Filz. "Eine Krippe soll nicht zu naturalistisch sein. Man muss das Ganze idealisieren und im Großen sehen." Etwas im Großen sehen, das praktiziert Lisl Sager schon wegen ihres unkonventionellen Lebenslaufes. Geboren in Graz, aufgewachsen im Ennstal, Studium an der Bildenden in Wien, als Kriegsstrandgut 1947 in Seckau an Land gespült, dort als Rossknecht und Ofenheizerin im Dienste der Abtei, als Restauratorin in ganz Österreich und Europa unterwegs. Wen wundern da noch die burschikos in die Hosentaschen gesteckten Hände - die gleich darauf wieder zum Werkzeug greifen. Cool.
Features
Zur Austellung
"Kleine Welt im großen Kloster" in der Benediktinerabtei Seckau (Medidationsraum).
Eröffnet wird am vierten Adventsonntag, 23. Dezember (10.15 Uhr, Klosterhof).
Besichtigen kann man in dieser Zeit natürlich auch die Weihnachtskrippen in der Basilika.
Öffnungszeiten: am 23. Dezember von 14 bis 16 Uhr, von 24. Dezember bis 6. Jänner von 10 bis 16 Uhr, von 7. Jänner bis 3.
Eintritt: freiwillige Spende.












