Werbesendung einer Bank riss alte Wunden auf
BA/CA adressierte Werbung an die vor 25 Jahren verunglückte Ehefrau eines Knittelfelders. Datenmaterial war von Profi-Anbieter zugekauft.
Mit Entspannung und erfüllbaren Träumen lockt eine aktuelle Werbesendung der Bank Austria Creditanstalt, ein Wellness-Wochenende wartet obendrein. Alles andere als wohl gefühlt hat sich jedoch der Knittelfelder Harald Woschnagg, in dessen Haushalt das Kuvert dieser Tage landete: Adressiert ist es nämlich an seine Frau Heidemaria. Die vor 25 Jahren ums Leben gekommen ist.
"Ich bin sehr aufgebracht", kränkt sich Woschnagg, dass eine Werbung für Wohnraumfinanzierung nach so langer Zeit alte Wunden aufreißt. Wunden, die nur vernarbt sind, nicht verheilt. Gleich nach dem Unglück sei dergleichen natürlich öfter vorgekommen und durchaus verständlich: "Aber ein Viertel Jahrhundert später!" Der Knittelfelder fragt sich, ob da einfach uralte Adressen gekauft und unreflektiert weitergegeben worden sind.
Pietät.
Nun ja, so ähnlich, wie eine Recherche bei BA/CA ergab. "Ich bedaure sehr, dass in diesem Fall die Pietät verletzt worden ist", entschuldigt sich Bank-Austria-Sprecher Timon Kiesenhofer.
Tatsächlich handle es sich um Datenmaterial, das von einem professionellen Anbieter zugekauft wurde - grundsätzlich kein ungewöhnliches, sondern legitimes Marketinginstrument heute. Kiesenhofer: "Das machen wir immer wieder, und in der Regel ist das Material gut." Aber es könne natürlich vorkommen, dass der Anbieter nicht mehr aktuelle Daten verwendet.
Vereinzelt.
Eine Kontrolle der Adressen, die "in großer Menge" gekauft werden, sei nicht möglich. Reklamationen gebe es vereinzelt, jedoch mehr in der Hinsicht, dass sich Leute fragen, woher ihre Daten stammen. Timon Kiesenhofer beabsichtigt aber, den Anbieter zu kontaktieren.
Harald Woschnagg, der nie BA-CA-Kunde war, denkt jedenfalls nicht einmal mehr im Traum daran, ein solcher zu werden.












