Arthur Schnitzlers "Liebelei" auf Theo-Studiobühne
Nur keine Aufregung, Weiber haben nicht interessant zu sein: "Theo" beschert mit Arthur Schnitzlers Liebelei einen lauen Sommerabend.

Foto © AP"Liebelei"-Aufführung im Wiener Volkstheater
Sie heißen Mizi und Christine, Theodor und Fritz, bequemen sich in adretten Sommerkleidchen und die Etikette pflegenden Anzügen zum Souper und überlegen auch sonst recht gepflegt, wie am besten die Zeit totschlagen. Nein, von einer Erregung öffentlichen Ärgernisses ist "Theo" diesmal weit entfernt, doch schließlich wird nicht Arthur Schnitzlers Reigen getanzt, sondern seine Liebelei in Szene gesetzt.
Wiener Moderne. Freilich hängt da unspektakulär die Gesellschaft der Wiener Moderne heraus, aber zeitgebunden ist das sozialpsychologische Drama keineswegs: Wie oft investieren auf der Suche nach (Liebes)glück auch Mann und Frau von heute kein Gramm Gefühl zu viel, scheuen das Risiko und grasen wie zum Zeitvertreib auf der saftigen Wiese möglicher Paarungen. Nur keine Aufregung, "die Weiber sind zum Erholen da und haben nicht interessant zu sein", philosophiert Theodor, den Gerhard Meier mit hochgeschlagenem Hemdkragen und den Händen in den Hosentaschen lässig und mit aller Ruhe weg auf die Bühne bringt.
Fakten
Liebelei (1895) im THEO: 28. Juli, 1., 4., 7., 11. August, 5., 8., 19. September, jeweils ab 20 Uhr.
Info: Tel. (0 35 71) 200 43.
"Süß wie Schokocrémetorte. Süß wie das Stück Schokocrèmetorte, das Theodor seinem Gspusi ins kussfreudige Mäulchen schiebt, trippeln Julia Gugg als Mizi und Eva Maria Faßhuber als Christine daher. Bloß Letztere gestattet sich den Luxus tieferer Gefühle, glaubt mit Fritz (Wolf Galler) die große Liebe gefunden zu haben. Also doch noch ein Grund, dass auch gestorben wird in dieser zuck'rigen G'schicht. Aber selbst der Tod überfällt das Publikum nicht blutrünstig - Fritzens Ende durch ein Duell, natürlich wegen einer Frau - findet nicht auf der Bühne statt.
Ruhige Inszenierung. Peter Faßhuber inszeniert ruhig und stimmig, lässt Schnitzler Schnitzler bleiben und breitet die Leichtigkeit des seelenlosen Seins in einen luftigen Raum, der mit wenig Requisiten und Farben auskommt. Der Zustand der Jugend als unbuntes Gemälde quasi. Das Ensemble - außer den Genannten Hans T. Tafner und Julia Faßhuber - fügt sich professionell ein. Und hüllt die Besucher in einen lauen Sommerabend, hinter dessen weingetränkter Süße unweigerlich Kopfweh wartet.
Features
Wiener Moderne
Der österreichische Erzähler und Dramatiker Arthur Schnitzler (1862-1931) ist einer der bedeutendsten Vertreter der Wiener Moderne. Er legt den Schwerpunkt auf die psychischen Vorgänge in seinen Figuren.













