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Messe und Vortrag

Abtprimas Notker Wolf in St. Lambrecht: "Bewusst einfach leben"

Notker Wolf ist der Welt oberster Benediktiner, Sprecher von weltweit 7500 Mönchen, 16.500 Nonnen. Am Mittwoch, 17. Juni, referiert der eloquente Wissenschafter und Rockmusiker über "Bewusst einfach leben".Von Bettina Oberrainer

Notker Wolf in der Päpstlichen Hochschule Sant'Anselmo in Rom © KK
 

Wo beginnen? Vielleicht mitten im Bösen. Unsere Kultur gerät aus den Fugen, „Gott kapituliert. Er verliert die Geduld und weiß keinen anderen Rat mehr als: Ich will die Menschen, die ich geschaffen habe, von der Erde vertilgen.“ Also her mit der Sintflut. Gewaltige erste Worte aus dem jüngsten Buch eines Mannes, bei dem man nicht weiß, wo beginnen. Weil sein Leben selbst, sein Wirken, seine Aufgabe, mehr als gewaltig sind.
75 Sommer zählt er demnächst, Notker Wolf, der Chef des ältesten Ordens der Christenheit. Und er verleiht dem Auftrag des Heiligen Benedikt ein „charmantes Gesicht“, wie Pater Gerwig vom Stift St. Lambrecht lächelt.

Lebensbejahend

Herausfordernd, lebensbejahend. In Lambrecht ist der Abtprimas am Mittwoch, 17. Juni,  zu Gast, erstmals in öffentlicher Mission. „Bewusst einfach leben“, so Titel seines Vortrages in der Reihe „Lambrechter Diskurs“.
Wo beginnen? Notker Wolf hat Theologie, Philosophie, Zoologie, Anorganische Chemie und Astronomie studiert, unterrichtet an der Päpstlichen Hochschule Sant' Anselmo in Rom, ist Sprecher von 7500 Mönchen, 16.500 Nonnen weltweit. In dieser bunten Vielfalt des Völkerkonglomerats kommt zum Ausdruck, da ist einer, der die Augen aufmacht. Ein in TV-Shows gern gesehener pointiert Formulierender, der für mehr Eigenverantwortung des Einzelnen plädiert und gegen unverantwortliches Management. Erwähnten wir schon, seine Leidenschaft heißt Rock, und mit seiner Band „Feedback“ sprühten schon vor einem Deep-Purple-Konzert heilige Funken? Querflöte, Flöte, E-Gitarre, kommenden Donnerstag spielt er mit Geistlichen anderer Religionen im Wiener Volkstheater.
Betonung

Ora et labora et lege

Und so jemand will uns etwas über das bewusst einfache Leben erzählen? Es kommt auf die Betonung an. Bewusst einfach, einfach bewusst, oder einfach leben? Pater Gerwig weiß, das „Ora et labora et lege“ der Benediktiner – Bete, arbeite und lies – will im Alltag der kleinen wie großen Herausforderungen realisiert werden. Wo gerät die Welt aus den Fugen? Maßlosigkeit macht uns zu schaffen – im „Zu wenig“ wie im „Zu viel“. Romirer: „Es besteht die Gefahr, dass Gefüge, die in einer Spannung zueinanderstehen, gesprengt werden.“ Das sich Verlieren in der unüberschaubaren digitalen Welt etwa sei gleich bedenklich wie die totale Abschottung davor. Mit Feder und Pergament – schön, aber inadäquat – bringt heute auch keine geistliche Gemeinschaft mehr Botschaften unters Volk. Aber leben viele nicht einfach vorbei am Leben, auf ihrer steten Jagd nach dem „Lebensglück“?

Der Pater rät, immer wieder Pausen zu machen, die eine Konzentration auf sich selbst erlauben. Und nicht zu vergessen, die wesentlichen Dinge werden geschenkt, „die kann man nicht holen, nicht erzwingen“. Liebe zählt zu diesen Dingen. Wo beginnen? Gerwig Romirer erwartet einen pointierten, geistreichen Abend mit Abtprimas Notker Wolf. Geerdet auf dem reichen Erfahrungsschatz eines unentwegt Reisenden, eines Mannes, dessen tägliche Herausforderung als höchster Ordens-Repräsentant stark spirituell wie wirtschaftlich geprägt ist.

Gönn die Zeit

Weniger ist manchmal mehr. Und nicht immer muss die Welt aus den Fugen geraten und Gott die Sintflut schicken. „Gönn dir Zeit. Es ist dein Leben“, so ein anderer Titel aus Wolfs dichtem literarischen Werk. Kommenden Mittwoch besteht in St. Lambrecht Gelegenheit, sich im bewusst Einfachen zu versuchen. Zumindest gedanklich.

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