Transsexualität

Franz steckt nur noch im Kleiderkasten

Mit Mitte 40 stellte Franz Galler aus dem Bezirk Murau fest, dass in ihm eine Frau lebt. Viele schwere Jahre folgten. Zu Besuch bei Anita Galler, die ab heute offiziell als Frau lebt. Von Michaela Egger

Anita und Steffi sind seit 30 Jahren verheiratet. Die Ehe bleibt auch bestehen © Egger
 

Diagnose: transsexuell. Es war ein Schock, als Franz Galler vor 16 Jahren erfahren hat, dass in ihm eine Frau steckt. Mitte 40 hatte der Mann immer wieder mit seiner Psyche und körperlichen Problemen zu kämpfen. „Psychologische Tests ergaben, dass ich zu 90 Prozent wie eine Frau reagiere.“ Das erzählt uns Anita Galler, seit heute offiziell Frau.

Franz oder Herr Galler will ich nicht mehr hören. Mein neuer Name Anita wurde bewusst gewählt, er sollte nicht an Franz erinnern. 

Anita Galler


Schwere Jahre liegen hinter Anita und ihrer Familie, unzählige Gespräche. Der Leidensdruck war enorm. „An ein Ausleben als Frau war damals nicht zu denken“, so Anita. Die vier Kinder waren noch klein, Ehefrau Steffi brauchte Zeit, die Diagnose zu verarbeiten.

KK
„Das Dirndl ist ein besonderes Kleidungsstück für mich“, freut sich Anita über ihre neue Rolle als Frau Foto © KK


Bei unserem Besuch in ihrem schmucken Haus in St. Peter am Kammersberg streicht Steffi ihrer Anita mehrmals liebevoll durchs Haar. Die beiden lachen viel, seit genau 30 Jahren sind sie ein Ehepaar – und auf kaum ein anderes Paar trifft das Versprechen „in guten und in schlechten Zeiten“ wohl besser zu. „Mein wichtigstes Anliegen war, dass unsere Ehe erhalten bleibt“, sagt Anita. Die österreichische Gesetzeslage ermöglicht dies auch. Und für Steffi „ist der Mensch derselbe geblieben“.


Ehrentag

 

Es ist der 64. Geburtstag von Anita. Steffi serviert Kastanientorte: „Meine Lieblingstorte“, schmunzelt Anita, die sich hübsch gemacht hat. Mit schwarzem Rock, Bluse, Schmuck und dezentem Make-up feiert sie ihren Ehrentag. Jahrelang lebte sie ihre Weiblichkeit in den eigenen vier Wänden aus. „Es ging jetzt aber nicht mehr anders. Ich muss das Frausein offiziell leben, ansonsten würde ich zugrunde gehen“, erzählt Anita. Franz oder Herr Galler will sie nicht mehr hören – was die Kleidung angeht, wurde der Franz in einen Kasten gesperrt.


Öffentlichkeit


Vor einigen Wochen startete Anita Galler den sogenannten Alltagstest, seither geht sie als Frau in die Öffentlichkeit. Dezent, aber dennoch klar als Frau erkennbar. Und es sei großartig, wie die Menschen – mitten am Land – auf sie reagieren. Anita Galler ist in der Region bekannt. Etwa durch die langjährige Mitgliedschaft bei der Feuerwehr Peterdorf, seit Jahrzehnten ist sie freie Mitarbeiterin bei unterschiedlichen Medien, auch bei der Kleinen Zeitung.
Für das Pfarrblatt zeichnet die gläubige Frau seit 39 Jahren verantwortlich. In der nächsten Ausgabe wird sie darüber berichten, wie aus Franz Anita wurde. Eine kleine Tauffeier im Eigenheim folgt außerdem. Egal ob in der Pfarre, bei den Kollegen in der Rinderzucht Steiermark oder anderswo: Die Menschen würden sie als Anita annehmen. Das bestätigt etwa auch Peter Stückler, Geschäftsführer der Rinderzucht Steiermark: „Alle hatten absolutes Verständnis für die Entscheidung, zukünftig als Frau leben zu wollen.“


Vorbei ist der Weg aber noch lange nicht: Nach der Namensänderung folgt nun eine lebenslange Hormontherapie. In rund zwei Jahren stehen entsprechende Operationen zur Frau im Raum. Doch vorerst genießt es Anita ganz offensichtlich einfach nur, Frau sein zu dürfen. Der Name wurde bewusst gewählt, ein Traum sei dafür verantwortlich gewesen – außerdem sollte der Name keinesfalls an ihren alten Namen erinnern.
„Der Auslöser für meine Transsexualität liegt wahrscheinlich in Erlebnissen in der Kindheit und Jugend“, erzählt Anita. Genauer möchte sie in der Öffentlichkeit nicht darauf eingehen. Sie möchte sich aber bedanken: „Bei Steffi, meinen Kindern und bei allen Menschen, die so positiv meinen neuen Lebensweg begleiten.“

Kommentare (6)

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flohaxn
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Ich finde es ja so schön, dass dieser Person geholfen werden konnt!

Aber bei mir gibt es scheinbar keine Hilfe und auch kein Interesse der Medien bei meiner Krankheit!!!
In mir steckt ein Multimillionär, aber niemand hilft mir bei der Umwandlung vom armen Schlucker zum Millionär, dabei wäre es doch für die Pharmaindustrie so leicht, mein Konto diesbezüglich umzuwandeln.
Na ja, nicht jede Krankheit wird göeich behandelt und manche werden noch immer nicht als solche erkannt!

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Katza
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In Ihrem Fall

empfehle ich eine regelmäßige Finanzspritze in die Bursa Superglutaealis, welche zwar genaugenommen nicht mehr zum Körper gehört, aber, vor allem bei Männern, häufig (zu mindest tagsüber) in der Hüftregion anzufinden ist.

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evergreen
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kleider machen leute -

- aber keine menschen,ein zugenähtes hosntürl ist keine geschlechtsumwandlung.

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Halligalli29
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"Diagnose"

Der Begriff Diagnose (wie in diesem Artikel verwendet) wäre in diesem Zusammenhang nur zu verwenden wenn es sich um eine Krankheit handeln würde, (siehe Definition) jedoch gilt Transsexualität nach dem 2015er Neuentwurf der Klassifizierung ICD-11 als "medizinischer Zustand" und nicht mehr als Persönlichkeits- bzw. Verhaltensstörung im Sinne einer Krankheit.

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Kalkulus
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Ein Jammer,

wenn der Blick in den Spiegel und das "Innere Bild" so himmelweit auseinander klaffen.

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fd.H
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Geschäftsführer der Rinderzucht Steiermark?

Schon ein starkes Stück, in diesem Zusammenhang diesen Beruf ungeschminkt als Expertenberufung anzumerken.

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