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Zuletzt aktualisiert: 01.09.2012 um 20:30 UhrKommentare

Das Geheimnis um Strettwegs Wagen

Er gehört zu den bedeutendsten ärchäologischen Funden Österreichs und stellt den kunstvollen Höhepunkt der Hallstattzeit dar. Doch welche Funktion hatte dieser Kultwagen wirklich?

Der Kultwagen von Strettweg aus dem Ende des 7. Jahrhunderts vor Christus ist - sehr zum Ärger der Murtaler - das Prunkstück des Archäologiemuseums Schloss Eggenberg in Graz und hat einen Versicherungswert von 50 Millionen Euro.

Er ist so wertvoll, dass die steiermärkische Landesregierung 1954 ein absolutes Ausleihverbot für ihn ausgesprochen hat. Und doch: Am 14. April 2012 wurde mit Regierungsbeschluss eine einmalige Ausnahme für die Ausstellung "Bronze" der Royal Academy of Arts von 15. September bis 9. Dezember in London genehmigt. Mit dem Auto musste das wertvolle Stück durch den Kanaltunnel transportiert werden, weil die Versicherung Flug und Seereise ausgeschlossen hat.

Beim Pflügen gefunden

Was aber macht diesen Kultwagen so wertvoll und einmalig? Karl Peitler, Leiter der Abteilung Archäologie, und Marko Mele, Chefkurator der Ur- und Frühgeschichtlichen Sammlung im Universalmuseum Joanneum, lassen uns hinter die Kulissen blicken: Im Oktober 1851 soll der Stadtkaplan von Judenburg jemandem die Sterbesakramente spenden. Auf dem Nachhauseweg kommt der gesellige Kaplan ins Plaudern. Dabei erzählt man ihm, dass Ferdinand Pfeffer vulgo Trögl beim Pflügen komische Figuren gefunden hat. Der Kaplan wird hellhörig und besucht um- gehend den Tröglbauern.

Und wirklich, schon im Hausflur sieht er einen Krautkorb voller Bronzegegenstände. Jaja, berichtet der Bauer, im September habe er seinen Acker umgepflügt - und ist dabei auf große Steine gestoßen. Diese hat er weggeräumt und darunter sind so komische Bronzefigürchen zutage gekommen, die er eingesammelt hat. Für 15 Gulden kauft der Kaplan alle Bronzeteile und meldet die Neuigkeit sofort nach Graz.

Der Kirchenhistoriker Matthias Robitsch lässt sich einige der Figürchen schicken - und ist begeistert. Schnell lässt er sich alles zusenden und setzt die Einzelteile zusammen. Da Robitsch bereits 1852 die Fundstelle nachuntersucht, in einer gepflasterten Grabkammer weitere Objekte gefunden und darüber publiziert hat, ist die Diskussion in der Gelehrtenwelt eröffnet.

Denn er vermutet einen slawischen Ursprung. Das wiederum lässt sich Eduard Pratobevera, Leiter des Münzkabinetts und Gatte der berühmten Kochbuchautorin Katharina Prato, nicht gefallen: Für ihn ist der Kultwagen keltisch. Doch beide sind sich einig, dass dieses Objekt nicht bloßer Ziergegenstand war, sondern einen kultischen Hintergrund haben musste. Doch welchen? Wo wurde er angefertigt? Welche Kultur steht wirklich dahinter?

Künstlich patiniert

Von einigen Ausstellungen kommt der "Kultwagen" jedoch beschädigt zurück und wird restauriert, dabei werden Schrauben angebracht. Der Wagen wird künstlich patiniert, sprich grün angefärbelt, damit er "echter" aussieht. Überhaupt wird alles Fehlende ergänzt. 1954 kommt es zum Ausleihverbot des guten Stückes. 2006 wird der Kultwagen in Mainz in seine 60 Teile zerlegt und neu restauriert. Alle alten Ergänzungen werden entfernt, der Träger wird verstärkt und fehlende Teile aus Kunstharz (deutlich sichtbar) ergänzt.

"Alle Figuren sind in kultischer Nacktheit, die dargestellte Szene erzählt eine Geschichte", erläutert Karl Peitler. Die Szene kann als Opferprozession gedeutet werden. Das kultische Gefäß kann für Trankopfer gedacht gewesen sein - oder auch als Öllampe, wie uns ein Leser schreibt.

ROBERT ENGELE

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