Ortskaiser gab sich Pachtvertrag
Unvereinbarkeiten, riskante Kredite und Kontrollmängel: Rachau hat das zweifelhafte Vergnügen, in einer Reihe mit den Tourismus-Krisenherden in Fohnsdorf und Mariahof genannt zu werden.

Foto © FRÖHLICH Wipfelwanderweg in Rachau: Land prüfte Gemeinde und Projekt
Rachau ist eine beschauliche Gemeinde mit 621 Einwohnern im Murtal. Und hat das zweifelhafte Vergnügen, in einer Reihe mit den Tourismus-Krisenherden in Fohnsdorf (Therme) und Mariahof (Vivarium) genannt zu werden. Denn der an sich wunderbare, aber mehr als 1,6 Millionen Euro Wipfelwanderweg hat die Gemeindefinanzen arg belastet, Ortschef und Manager ihren Posten gekostet. Die Gemeindeaufsicht ging in die Tiefe, prüfte die Gemeinde, bestätigt Berichte und Gerüchte.
So war der ehemalige Bürgermeister obendrein Geschäftsführer der Wipfelwanderweg-Firma. Er hat dafür eigenen Grund verpachtet - und diesen Vertrag kurzerhand mit sich selbst abgeschlossen. "Absolut befangen", monieren die Prüfer und erklären diverse Gemeinderatsbeschlüsse nachträglich für nichtig. Sofern der Gemeinderat überhaupt eingebunden gewesen ist.
Obwohl von A wie Abgaben bis W wie Wohnungen brav geführt, hob sich Rachau bei außertourlichen Projekten einen Bruch: beim Wipfelwanderweg (2,7 Kilometer lang, 1300 Stufen), bei Rüsthaus- und Kulturstadl-Umbau. Laut Prüfern gab es keine "schlüssige Finanzierung", die Politik hätte ihre Pflichten teils "grob missachtet". Die Prüfungsmechanismen versagten.
In der Orts- und Infrastrukurentwicklungs KG und der Wipfelweg-Firma waren Haftungen über 1,5 Millionen Euro zusammengekommen - bei Rücklagen von nicht einmal 4000 Euro. Und bei einem Gemeindebudget von zuletzt rund einer Million Euro. Ergo konnten Kredite nicht bedient werden, hohe Verzugszinsen wurden fällig. Noch dazu wurde ohne Landeszustimmung und trotz anderslautender Pläne für das Wipfelprojekt ein Franken-Kredit aufgenommen. Kursbedingte Verluste von rund 160.000 Euro waren die Folge. Das Land musste einspringen, für Tourismusattraktion und Folgen fielen 1,1 Millionen Euro an.
Features
"Wir bieten jährlich neue Attraktionen"
Wipfelwanderweg-Geschäftsführer Johann Roth zur Saison und zu Plänen.
Herr Roth, Sie haben im Frühjahr 2011 die Geschäftsführung des Wipfelwanderweges in Rachau übernommen. Zufrieden mit der laufenden Saison?
JOHANN ROTH: Nun, Regen und Hitze, das Wetter war extrem. Aber die Gäste sind sehr zufrieden, das neue Romantik-Picknick auf dem Turm der Herzen wird gut aufgenommen. Ebenso unser Ferienprogramm. Auch die Kombikarten für die Abtei Seckau und jene für die Aqualux-Therme sind gefragt. Wir wollen solche Angebote forcieren. Das ist für Reiseveranstalter, Verbände und für Gruppen gleichermaßen interessant.
Zu Saisonstart erklärten Sie, heuer 40.000 Gäste anlocken zu wollen. Geht sich das aus?
ROTH: Wetterbedingt heuer leider nicht, möglich ist es aber. Man muss jährlich etwas Neues, neue Attraktionen bieten.
Welche sollen das 2013 sein?
ROTH: Beispielsweise eine Rätselrallye für Kinder. Sie werden spielerisch geführt, beantworten Fragen und werden am Ende belohnt. Wir tun viel für Familien und Kinder.















