Offene Münder unter dem Falken
Strammstehen? Nicht diesmal, trotz Geiselnahme und rebellischem Mob: Gestern war erstmals Tag der offenen Tür am Truppenübungsplatz Seetaler Alpe.
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Der krachende Donner, den der Himmel gerade geschickt hat, lässt den Gedankenfluss kurz nicht mehr strammstehen. Aber passt eh. Weil oben am Truppenübungsplatz (Tüpl) hat es gestern auch gekracht. Blendgranaten nämlich. So ein Geiselnehmer gehört ordentlich abgelenkt. Schon liegt er in der Wiese, gestellt vom Schäferhund: Tag der offenen Tür auf der Seetaler Alpe, wobei sich die Frage stellt, wo ist die Tür? Wurscht, so richtig strammstehen muss da ja auch niemand, das Bundesheer versteht diese Leistungsschau als bürgernahes Signal. Und so garnieren Zirbenland, Tourismus und Polizei das erst von schwerer Schwüle, später von Nässe begleitete Treiben.
Der Eingreiftrupp hat sich aus diesem bombigen schwarzen Falken abgeseilt, schon holen seine Rotorblätter wieder Schwung zum Abheben. Mit offenem Mund verfolgen Schüler das Manöver, so ein Black Hawk hinterlässt Eindruck. Sechs Tonnen Leergewicht, zehn Tonnen maximales Lastgewicht. "Ohne Lawinenunglück in Galtür hätten wir die Black Hawk gar nicht", erinnert Oberst Manfred Hofer.
Nacht
Der Tüpl-Kommandant möchte diese Premiere einer offenen Alpe als jährliche Gepflogenheit etablieren. Viele Kinder hätten sicher nichts dagegen. Die 4.a der Volksschule Obdach hat eine Nacht hier erleben dürfen, erobert für unser Foto mit Begeisterung den Mannschaftstransportpanzer Pandur. Untertauchen in der Kommandoluke inklusive. Irgendwann selbst beim Bundesheer sein? Ja, können sich ein paar vorstellen.
Für Interessenten an einer militärischen Karriere ist das Heerespersonalamt prophylaktisch vertreten. Klingt fast so sperrig wie "Befriedung von Menschenansammlung". Aber diese von der Militärpolizei Graz in der friedlichen Landschaft unterm Zirbitzkogel inszenierte Übung ist im Kosovo ernsthafte Realität. Leutnant Markus Pernitsch erklärt das Schauspiel, als Demonstranten vermummte Soldaten warten auf sein Kommando. Die Übungsannahme: Der Mob hat eine Barrikade aufgebaut, will das Durchkommen internationaler Einheiten verhindern.
Nur mit Spezialkräften der Militärpolizei funktioniert diese Sicherstellung von schützenswerten Objekten. Trommelwirbel auf Blechtonnen magiert Bedrohung am Ort des Geschehens. Die Zuschauer säumen die Straße. Turnschuhe haben sie an, Wanderböcke und Sommerschühchen. Ebenso gesichtet: High Heels, schwarzer Lack. Irgendwie auch fast bedrohlich.
Rund 200 Soldaten bevölkern die Alpe, darunter Militär aus Zeltweg, St. Michael, Wiener Neustadt. Jagdkommando und Infanterie präsentieren sich, und irgendwo zwischen Platzkonzert und Gulasch legen dirndlberockte Trachtendamen ein paar Tanzschritte ein. Stramm stehen? Aber nicht heute. Das Laden einer Exerziergranate gerät zum Amüsement, Korporal Jasmin Puchwein vom Jägerbataillon 18 gibt ihrem Kollegen lachexplosive Nachhilfestunden.
Grünzeug
Die Hauptschüler aus Fohnsdorf finden "das Ding da hinten mit dem Grünzeug voll geil". Sie wären gerne in die Luft gegangen. "Können wir mit dem Helikopter mitfliegen? Sag einfach ja!" Das kann Erwin Miesbacher vom Kaderpersonal natürlich nicht. Dafür schickt der Himmel noch immer krachenden Donner. Und der Tüpl steht stramm für seinen nächsten Tag der offenen Tür.















