Täglich zähle ich die Tage
Auch wenn der Stress nicht sichtbar ist, begleitet er einen ständig. Matura-Tagebuch von Anna-Maria Güttersberger.
Es war wohl doch nur eine gefühlte Ewigkeit, die bis zur mündlichen Matura bleibt. Drei Wochen sind es noch, dann ist der Zauber vorbei. Täglich zähle ich die verbleibenden Tage und es werden - leider - immer weniger. Vielleicht auch gut so, dann hat man es endlich hinter sich.
Normalerweise ist Sprechen mein kleinstes Problem, wenn da nicht das Hochdeutsche, oder noch schlimmer, das Englische wären! Übung macht den Meister, und kein Meister ist je vom Himmel gefallen. Schade eigentlich, dass die Sprachreise nach England, die meine Klasse und ich voriges Jahr unternahmen, nicht noch ein zweites Mal stattfand, denn da ging das Englischsprechen wie von selbst.
Nur nicht aus der Ruhe bringen lassen - das gilt dann wohl ebenso für die mündliche Matura. Auch wenn der Stress vielleicht äußerlich nicht sichtbar ist, begleitet er einen innerlich ständig. Manchmal ist es aber viel einfacher, unter Zeitdruck lernen zu müssen, sonst schiebt man wichtige Dinge ohnehin immer weiter hinaus. Die schönen Feiertage werden jetzt zu Lerntagen, an denen man stundenlang in die Hefte und alten Mitschriften vertieft ist, einen Textmarker um den anderen leer macht, und sich wundert, wie schnell die Zeit eigentlich vergeht.
Der Alltag, der vier Jahre lang mein Leben bestimmt hat, ist nun bald Geschichte. Das mit Liebe gemachte Frühstück steht dann wohl ebenfalls nicht mehr am Tisch und wartet auf seinen Verzehr. "Do it yourself" heißt es dann.
Für mich heißt es vorerst, letzte Konzentrations- und Merkreserven herauszulocken, und Disziplin an den Tag zu legen. Der Gedanke, lange schlafen zu können, kommt nur noch in meinen Träumen vor. Umso besser, dass die mündliche Reifeprüfung mit Riesenschritten näher kommt, dann heißt es endlich wieder: Dornröschenschlaf deluxe.








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