Von Jugendschutz über Integration bis Wählen ab 16
Schüler der Bakip Judenburg nutzten gestern die Gelegenheit, mit politischen Vertretern ausgiebig zu diskutieren.

Foto © Michaela FröhlichDie SchülerInnen disktutieren eifrig mit
Von wegen Politikverdrossenheit: Mit großem Interesse beteiligten sich gestern Schüler der Judenburger Bundesbildungsanstalt für Kindergartenpädagogik (kurz Bakip) an einer Diskussion mit Vertretern aus der Politik. Anlass war klarerweise die bevorstehende Landtagswahl, geladen hatte die Landesschülervertretung.
Mit freundlichem Applaus werden die Politiker empfangen. Nachdem sie sich dem jungen Publikum kurz vorgestellt haben, werden sie von ebendiesem mit Fragen durchlöchert. Gehalt für Kindergartenpädagoginnen, Abtreibung, Minarett-Spiel oder Jugendschutzgesetz: Die Themen, für die sich die jungen Menschen interessieren, sind vielfältig.
Wahlrecht
Auch das Wahlrecht ab 16 Jahren kommt zur Sprache: "Wir sollen uns mit 16 Jahren für eine Partei entscheiden. Ich finde, uns wird viel zugemutet", sagt Erstwählerin Lisa Steiner - und erntet Applaus. Eine Abstimmung unter der Schülerschar bringt ein überraschendes Ergebnis: Der Großteil der angehenden Pädagoginnen ist nicht der Meinung, dass in diesem Alter der Gang zur Urne möglich sein soll. Das heißt aber nicht, dass die Schüler unterschiedliche Themen nicht kritisch hinterfragen.
Ebenfalls diskutiert wurde etwa über die österreichweite Vereinheitlichung des Jugendschutzgesetzes. Erstaunlich war wiederum das Abstimmungsergebnis darüber, ob 16- bis 18-Jährige unbegrenzt fortgehen dürfen sollten: Nur rund die Hälfte der Anwesenden hob die Hand.
Die Meinung der Politiker zu der Frage: Ein klares "Ja" gab es von Max Lercher (SPÖ), Christopher Tafeit (ÖVP), Heinz Baumann (Grüne) und Hannes Amesbauer (FPÖ). "Nein" sagte Johannes Klein (CPÖ); Renate Pacher von der KPÖ findet, dass für 16-Jährige nicht dasselbe wie für 17-Jährige gelten soll.
Politik bekamen Schüler mit der Einstellung einer Buslinie am eigenen Leib zu spüren. Eine junge Frau sprach das Thema an: "Ich komme aus Stadl an der Mur und muss jetzt auf dem Weg zur Schule vier Mal umsteigen." Viele Jugendliche aus dem Bezirk Murau sind betroffen. Max Lercher sagte, die SPÖ habe sich darum gekümmert, aber Landesrätin Edlinger-Ploder stelle versprochene 20.000 Euro nicht zur Verfügung. Christopher Tafeit sagte Aufklärung zu.
Sicherheit statt Ausländerkriminalität. Dieser Slogan der FPÖ ärgert Lucija Jurisic: "Ich stamme aus Kroatien. Wie soll ich das verstehen?", fragt sie Hannes Amesbauer. "Die Hälfte der steirischen Gefängnisse ist voll mit Ausländern", meint er. Allerdings sei auch er für Integration, man müsse aber differenzieren.
Entscheidungshilfe
Die meisten Schülerinnen und Schüler waren sich am Ende einig: "Die Diskussion hat uns für unsere Entscheidung am Wahlsonntag sehr weitergeholfen."
Das Team der Jugendplattform www.juport.at hat Bilder und Video ins Internet gestellt.
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DIE KANDIDATEN
Die Landesschülervertretung organisiert anlässlich der bevorstehenden Landtagswahlen in mehreren steirischen Schulen Diskussionen. Gestern war die Bakip in Judenburg an der Reihe. Der Diskussion stellten sich Max Lercher (Landesvorsitzender Sozialistische Jugend), Christopher Tafeit (Landesgeschäftsführer Junge ÖVP), Abgeordnete Renate Pacher (KPÖ), Heinz Baumann (Grüner Gemeinderat in Graz), Hannes Amesbauer (parlamentarischer Mitarbeiter, FPÖ) und Johannes Klein (Christliche Partei). Irene Spadiut vom BZÖ musste sich aufgrund von Stimmproblemen entschuldigen.
Moderiert wurde die Veranstaltung von Josef Fröhlich, Redakteur bei der Kleinen Zeitung.
VORWAHL DER BAKIP
Vor der Veranstaltung wählten 79 Bakip-Schülerinnen und Schüler anonym. Das Ergebnis: SPÖ (46,8 Prozent), ÖVP (26,6), FPÖ (13,9), Grüne (5,1), CPÖ (3,8), BZÖ (2,5) und KPÖ (1,3).








