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Zuletzt aktualisiert: 10.02.2009 um 18:43 UhrKommentare

Wer will China, wenn er Murau haben kann

Wird der Bevölkerungsschwund arg, ist Feuer unterm Hintern angesagt. Aber bitte formvollendet: Die "Murauer Werktage" wollen als heimatverbundenes Künstlerprojekt auch die Wirtschaft ankurbeln.

Die "Murauer Werktage" wollen als heimatverbundenes Künstlerprojekt auch die Wirtschaft ankurbeln

Foto © Bettina OberrainerDie "Murauer Werktage" wollen als heimatverbundenes Künstlerprojekt auch die Wirtschaft ankurbeln

Ein Bezirk, der gewaltig unter der demografischen Entwicklung leidet. Seine Hauptstadt, deren aktuelle 2169 gemeldeten Hauptwohnsitze den Bürgermeister schlucken lassen. Also Feuer unterm Hintern. Aber wie? Zum Beispiel im wahrsten Sinn des Wortes, wenn Ton modelliert - eben in Form gebracht, in einem selbst gebauten Ofen gebrannt wird. Feuer und Form: Unter diesem Titel wurden im Vorjahr Murauer Werktage angezündet, Künstler wie Workshopteilnehmer trafen einander, platzierten ihre Arbeit im öffentlichen Raum als nicht zu überstolpernde Begegnung mit dem Volk.

"Lebensader Mur". Heuer will man weiter daran werken, das Projekt an der "Lebensader Mur" als mitreißenden Fluss zu etablieren. "Wir wollen kein elitäres Kunstprojekt sein, sondern viele ansprechen und eine Bereitschaft zum künstlerischen Prozess entfachen", sagt der Scheiflinger Bildhauer Rudi Hirt. Werktage-Lehrmeister wie Bildhauerin Angelika Hirt-Thomsen und Keramikerin Angelika Fritz, die montags mit Muraus Bürgermeister Thomas Kalcher zum Anheizen antraten.

Für die sommerliche Werkstatt im Sparkassenpark, bei der Kursteilnehmer vom handwerklichen bis zum intellektuellen Begreifen ein formstarkes Spektrum erleben sollen. Bevorzugte Materialien: Ton, Bronze. Der Workshop "BioPlastik" will die Vielfalt des Werkstoffes Holz nahebringen.

Zukunftsmusik. Künstler "von außen" als Kursleiter sind noch Zukunftsmusik. Ebenso wie das Ziel, im Zuge der Werktage die Altstadt zu beleben und ein dauerhaftes "Murauer Produkt" zu brennen. Rudi Hirt: "Wir wollen den Umgang mit Material und Formen wiederbeleben - aus China ist ja schnell etwas importiert..." Bürgermeister Kalcher weiß, dass Ungeduld nicht angebracht, vielmehr Zähigkeit gefragt ist: "Eigentliches Kunststück wird sein, das Projekt nachhaltig zu gestalten."

"Feuer und Form". Land und Gemeinde füllen den Budgettopf jährlich mit an die 60.000 Euro, dauerhaft wird "Feuer und Form" mit Subventionen allein nicht lebensfähig sein. Aber Thomas Kalcher ortet "einen gewissen Markt" für Wirtschaftlichkeit, bewegen sich doch nicht wenige Touristen und Urlauber in Murau: 50.000 Nächtigungen jährlich verzeichnet die Stadt, 750.000 die Region.

Internationale Kontakte. Das Künstlerehepaar Hirt beabsichtigt, seine internationalen Kontakte zu nützen, glaubt nach der stimmigen Atmosphäre im Vorjahr an entsprechenden Rückenwind. Und Wind entfacht schließlich Feuer.

BETTINA OBERRAINER

Fakten

Feuer und Form: Bildhauerworkshop inmitten von Murau, Skulpturen und Reliefs in Ton und Metall, Brennofenbau, Holzbrand, Metallguss. Von 20. Juli bis 8. August. Mit Rudi Hirt, Angelika Hirt-Thomsen, Angelika Fritz, Karl Loderer. Kursgebühr: 500 (Erwachsene) bzw. 300 Euro, Tagesgäste 30 Euro

BioPlastik: Workshop inmitten von Murau, Holz als Ausgangsmaterial für Plastiken und Objekte. Von 27. Juli bis 8. August. Mit Hans Leitner und Marga Leitner. Kursgebühr: 340 bzw. 200 Euro, Tagesgäste 30 Euro

Information: Tel. (03532) 22 28

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