Betrugsfall: Millionen für Luftgeschäfte
Weil er dem Chef einer Kärntner Beratungsfirma blind vertraut hatte, steht ein steirischer Bauer am Rande des Ruins und zwei Kärntner vor dem Richter.
Über zwei Jahre lang wurde ermittelt, jetzt liegt die 84 Seiten umfassende Anklageschrift vor: Schweren gewerbsmäßigen Betrug und schweren Betrug wirft die Staatsanwaltschaft Klagenfurt zwei Kärntnern vor, die einen Bauern in der Obersteiermark an den Rand des Ruins getrieben haben. Der Murauer Rechtsanwalt Günter Novak-Kaiser und die Kleine Zeitung deckten den ebenso ungewöhnlichen wie Aufsehen erregenden Fall im Winter 2006 auf.
Weitere Geschädigte. Im Zuge des Ermittlungsverfahrens konnten noch weitere geschädigte Personen eruiert werden. Hauptbetroffener ist aber der Landwirt Siegfried Wohleser (37). Als er den Besitz (27 Hektar Landwirtschaft und 47 Hektar Wald) 1999 von seinen Eltern übernahm, war der Bauernhof, hoch oben über der Ortschaft St. Peter am Kammersberg im Bezirk Murau, schuldenfrei. Jetzt ist die Wirtschaft mit rund 1,4 Millionen Euro belastet. Auch seine Ersparnisse - rund 100.000 Euro - ist Siegfried Wohleser los.
Anklageschrift. Jene beiden Männer, die laut Anklageschrift dafür verantwortlich sind, müssen sich demnächst vor einem Schöffengericht in Klagenfurt verantworten: Hermann H. (57), Chef eines Beratungsunternehmens, und sein Mitarbeiter Walter P. (38). Laut Anklägerin Carmen Riesinger soll das Beratungsunternehmen von Hermann H. seit Jahren überschuldet und permanent zahlungsunfähig gewesen sein. Dieser Umstand sei in "groben Zügen" auch dem Mitangeklagten Walter P. bekannt gewesen, hält die Staatsanwältin in der Anklageschrift fest.
Projekte nicht realisierbar . Dennoch sollte das Beratungsunternehmen den Bauernhof von Siegfried Wohleser umstrukturieren. Hermann H. überzeugte den Landwirt, auf dessen Anwesen eine Biogasanlage bauen und andere Einzelprojekte zu realisieren. Wohleser zahlte Unsummen für die Planung, verpfändete Haus und Hof für Kredite, musste sogar ein Schuldanerkenntnis in der Höhe von 2,6 Millionen Euro unterschreiben - aber gebaut wurde bis heute nicht.
Voraussetzungen nicht gegeben. Das Projekt hätte auch nie realisiert werden können, weil laut Sachverständigen-Gutachten die Voraussetzungen nicht gegeben waren. Es wären nämlich allein für die Biogasanlage mindestens 300.000 Euro und rund 100 Hektar Wald notwendig gewesen.
Jahrelang getäuscht. Die beiden Angeklagten hätten den Landwirt über Jahre hinweg getäuscht und hingehalten. Im März 2006 erstattete Rechtsanwalt Günter Novak-Kaiser schließlich Strafanzeige. Der Jurist vertritt noch fünf weitere Klienten aus dem Raum Murau, die um beträchtliche Summen Bargeld erleichtert wurden.







