Alternativ-Nobelpreisträger für Forschung im ruralen Raum
Ibrahim Abouleish: "Globalisierung löst fast schon krebsartige Vermehrung von Wirtschaft hervor"
Forschung, auch im ländlichen Raum - das ist das Rezept, das Alternativ-Nobelpreisträger Ibrahim Abouleish beim Symposium "Quer in den Zukunftsraum" im obersteirischen Stift St. Lambrecht am Donnerstag den rund 150 Teilnehmern präsentierte. Als negative Konsequenz der Globalisierung konstatierte er eine "fast schon krebsartige Vermehrung der Wirtschaft", während Kultur und Soziales nicht mithalten könnten.
Gemeinschaften. Abouleish, der für sein 1977 in Ägypten gestartetes Projekt "Sekem" 2003 den Alternativen Nobelpreis erhielt, empfahl dem ländlichen Raum der Steiermark, mit Forschungseinrichtungen attraktiver zu werden und sich zu Gemeinschaften zusammenzuschließen, denn die Bewohner abseits des urbanen Umfelds "sind nicht nur Bauern", erklärte der Experte. Er selbst schaffte es, eine rund 2.000 Menschen umfassende Gesellschaft in der Wüste Ägyptens aufzubauen, die aus biologischer Landwirtschaft ihren Unterhalt finanziert und Produkte in die ganze Welt exportiert.
Balance finden. Eine funktionierende Gesellschaft basiere auf drei Stützen: Wirtschaft, Politik bzw. Rechte und Kultur. Im Zeitalter der Globalisierung gewinne die Wirtschaft immer mehr an Gewicht. Deshalb sei es Ziel, eine Balance zwischen den drei Bereichen zu finden. "Die Österreicher haben in den vergangenen 100 Jahren eine herrliche Balance geschafft", meinte der Absolvent der Universität Graz. In Ägypten, wo er seine Vision einer Oase in der Wüste verwirklichte, herrsche keine Balance - die Menschen leiden dort oft in Armut.
Sekem. Für die Zukunft von "Sekem" stellt sich Abouleish "mehrere kleine Sekems" vor, denn man könne nicht ins Unendliche expandieren. "Menschen, die nicht denken können, leben von der Tradition", daher beschäftige er rund 50 Prozent Frauen in "Sekem". Er wolle den Mitarbeitern aber nicht die Tradition nehmen, sondern sie sollen selbst den richtigen Weg finden, indem sie lernen selbst zu denken.
Gastreferenten. Das zweitägige Symposium, das anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der steirischen Naturparke von der Naturpark Akademie Steiermark veranstaltet wurde, wartete neben Abouleish auch mit Gastreferenten aus Deutschland auf: "Landschaftsheiler" Johannes Matthiessen und Handwerksforscherin Christine Ax. Am Freitag wird noch der ehemalige EU-Agrarkommissar Franz Fischler den Teilnehmern Perspektiven für die Zukunft des ländlichen Raums bieten.







