Pilgern ist Beten mit den Füßen
Immer mehr Steirer gehen zumindest einmal im Jahr auf Wallfahrt. Beliebtestes Ziel ist Mariazell, aber auch Klein Mariazell oder Maria Fieberbründl in der Region werden besucht.

Foto © REPRO SCHLEICH Jagerberger Wallfahrer bei ihrem Pilgerkreuz auf der Stanglalm
Zu den regionalen Wallfahrerprofis muss der Fachinspektor für den katholischen Religionsunterricht an den steirischen Berufsschulen, Andi Gieferl, gezählt werden. Bisher hat er 27 Fußwallfahrten, davon 25 nach Mariazell, eine nach Maria Buch und eine nach Frauenberg bei Admont durchgeführt und auch für Gruppen organisiert. Dazu kommt noch die Organisation von sechs steirischen Lehrlingswallfahrten, an denen bis 700 Lehrlinge aus 20 Berufsschulen teilnahmen.
Für Bad Gleichenberg organisiert Gieferl jährlich eine Fußwallfahrt, ausgehend von der Weizbergkirche nach Mariazell: "Es gehen oft mehr als 30 Personen mit. Wir sind für die 101 Kilometer mehr als drei Tage unterwegs. Bei der zehnten Gleichenberger Wallfahrt haben wir ein Pilgerkreuz in Mooshuben aufgestellt, das die vorbeigehenden Wallfahrer auf die Gleichenberger Wallfahrer aufmerksam macht." Solche Pilgerkreuze wurden von vielen Wallfahrergruppen entlang des Pilgerweges aufgestellt.
Gieferl bereitet sich auf jede Wallfahrt genau vor. Er verfasst immer auch ein eigenes Lieder- und Textheft. Unter den Wallfahrern sind auch Menschen, die aus der Kirche ausgetreten sind. Manche Daheimgebliebene bitten die Wallfahrer, für sie ein G'setzerl bei der Gottesmutter zu beten.
200 Mal
Eine tief gläubige Fußwallfahrerin ist Hilde Brandl aus Nestelbach im Ilztal. Seit ihrem Kindesalter geht sie zu Fuß mehrmals im Jahr nach Maria Fieberbründl. Rund 200 Mal hat sie die kleine Wallfahrtsstätte bereits aufgesucht - allein oder in einer Wallfahrergruppe. Nach Mariazell ist sie schon 23 Mal zu Fuß gepilgert.
Zu den eifrigen Wallfahrern aus Jagerberg zählen Landwirtschaftskammerobmann Peter Riedl und Gottfried Amtmann. Mehr als 20 Mal waren beide schon zu Fuß in Mariazell und einige Male in St. Lambrecht, St. Anna, Heiligen Geist in Slowenien und Maria Saal. Bei der Wallfahrt nach Mariazell ist die Pfarrkirche Jagerberg der Ausgangspunkt. "In fünf Tagen müssen 180 Kilometer zu Fuß gegangen werden. Am ersten Tag gehen wir 60 Kilometer", berichtet Riedl, der für Daheimgebliebene Halsketterl oder Bildchen zur Segnung in Mariazell mitnehmen muss.
Gottfried Amtmann kauft für jeden Teilnehmer, der das erste Mal dabei ist, in Mariazell ein Wallfahrerkreuz. Seinen Kindern und Enkelkindern schenkt er zur Erstkommunion einen im Wallfahrtsort geweihten Rosenkranz. Auf der Stanglalm haben die Jagerberger ein Pilgerkreuz aus Lerchenholz mit Kupferrohren, die Christus symbolisieren sollen, aufgestellt.
Einige Wallfahrer bringen für Verwandte oder Bekannte auch die begehrten Wallfahrtsbildchen vom Gnadenort mit nach Hause. Aber auch andere Devotionalien werden zur Erinnerung gekauft. Votivgaben sind heute nicht mehr üblich.
Features
Kommentar
FAKTEN
Wallfahren ist keine spezielle christliche Form der Frömmigkeit, sondern bereits seit Jahrtausenden üblich. Die lokale Wallfahrt gibt es seit dem vierten Jahrhundert.
Vom Wort Pilger leitet sich die Bezeichnung "Pülcher" für kleine Gauner ab. Oft bezeichnete sich herumziehendes bettelndes Volk als Pilger.








