Stadtturm, Sautörl und Synagoge
Judenburg mit anderen Augen sehen wird man nach Teilnahme an einer der allwöchentlichen Führungen durch die Stadt. Wir gingen mit.
Dass sich nahe dem Schloss Weyer ein Judenfriedhof befindet und das heutige Stadtmuseum anno dazumal als Spital für gut Betuchte diente, wissen wohl selbst viele eingefleischte Judenburger nicht. Auf historischen Spuren lustwandeln lässt es sich in den warmen Monaten allwöchentlich, wenn zur Führung durch die Altstadt geladen wird. Einen ersten eindrucksvollen Eindruck von der abwechslungsreichen Geschichte erhält man bei einer Kurz-Show im Sternenturm. Hoch über der Stadt, auf der Galerie des Turms, gibt Sarah Ruckhofer nach dem Film einen Überblick, was auf die Teilnehmer zukommt.
Ruckhofer führte vergangenen Freitag nicht nur uns durch das ehemalige Judenviertel, den Sitz des Bürgertums, die geistlichen Stätten und Co., auch zwei Salzburger Steiermark-Fans und einige "Zuagraste" waren vertreten. Renate Perner etwa nutzt die Gelegenheit, ihre seit einem Jahr neue Heimat besser kennenzulernen: "Ich habe schon viel Neues erfahren", sagt die Neo-Judenburgerin während der Führung.
Auch das Geheimnis hinter dem Namen Judenburg kommt zur Sprache, gelüftet ist es bis heute nicht. Wahrscheinlich ist aber, dass sich der Name von der Handelstätigkeit der Juden im Hochmittelalter ableitet. Die Stadt reich gemacht, wurden die Juden im 15. Jahrhundert wieder vertrieben. Kaum jemand dürfte auch wissen, dass sich beim Spielwarengeschäft Hofer in der Kaserne einst eine Synagoge befand. Übrig geblieben ist davon nichts. Wie vieles leider nicht: Brände zerstörten die Stadt mehrmals, und auch bei Arbeiten an den Gebäuden ging man früher nicht unbedingt zimperlich mit historisch wertvollem Material um. Erhalten ist noch das Sautörl, das seinen Namen nicht von ungefähr erhalten hat: Wurden dort doch die Schweine durchgetrieben, um direkt beim Metzger zu landen.
Der Ursprung von Judenburg befindet sich übrigens dort, wo heute Schuhe verkauft werden - beim Rattenegger-Haus. An dem Ort lag eine Zoll-Stelle für das Stift St. Lambrecht: "Das war der Anfang", erzählt Ruckhofer, wie sich Judenburg zur florierenden Handelsstadt entwickelte. Reich gemacht hat die Stadt auch der Handel mit Speik, der einst als Allheilmittel eingesetzt wurde.
Allerlei Interessantes - von kleinen Details bis zu historisch bedeutenden Vorkommnissen - erfährt man also von Ruckhofer oder anderen bei diesen Führungen, immer freitags ab 10 Uhr.









