Der Sprudler im Schuppen
Sie unternehmen Hörspaziergänge, lassen den Ort auf sich wirken und färben den St. Lambrechter Himmel ewig blau: Die 27. Künstlerbegegnung nähert sich dem Thema "PRO.PHET".
Wer oder was ist heute ein Prophet? Der Brocken, den die Bibel im Gehirn abgelagert hat, lässt sich schwer zerkleinern. "...also ich bin keiner", verkündet Stefan Glettler nach kurzer Überlegungsphase. Aber er wie Claudia Nebel, Makiko Nishikaze und Franz Zalto lassen sich von diesem großen Wort "Prophet", welches schnell gesagt ist und zugleich Belastendes verinnerlicht, inspirieren. Hier, in St. Lambrecht: 27. Künstlerbegegnung, in diesen Tagen arbeiten sich die Kreativen an das Finale Anfang Juli heran.
Der Punkt im diesjährigen Motto "PRO.PHET" mag vielleicht die Schwere des Wortes nehmen, wie Pater Gerwig Romirer überlegt. Er baut die aktuelle Brücke: "Kunst spürt auch immer dem nach, was die Zeit verborgen in sich trägt, kann das vielleicht sichtbar machen. Gerade jetzt ist vieles im Auf- und Umbruch, im Kleinen wie global betrachtet." Wohin also geht die Reise diesmal?
Etwa direkt in den Ort, in dem Makiko Nishikaze mit Schülern "Hörspaziergänge" unternimmt. Weil man Orte durch Hören - "eine Hauptaufgabe eines Propheten" - kennenlernt, seine Alltagsgeräusche wiederentdeckt. Die in Berlin lebende Japanerin bereitet ein Orgelkonzert vor, wird Bach- und Choralmusik-Bearbeitungen wie eigene Stücke spielen. Unsere Reise führt weiter in den Fischkalter des Stiftes, wo der gebürtige Übelbacher, in Wien lebende Stefan Glettler eine 3,25 Meter hohe Figur installiert. Einen "Sprudler" nennt er sie, und bunt wie sich die Phantasie einen solchen ausmalen kann, geht es in dem Schuppen zu. Pinsel, Farben, Lacke, und das liebliche Lachsrosa auf dem großformatigen Bild trocknet gerade. Vorsicht, bloß nicht anstreifen.
20 Möglichkeiten
Acryl auf Leinwand, in klarer schwarz-weiß Form- und Farbgebung, setzt Claudia Nebel ein, um "20 Möglichkeiten, ein Kreuz zu spüren" zu symbolisieren. Blau will die Malerin, gebürtig aus Graz, lebend in Wien, die Glasplatte für ein Objekt einfärben, das den Lambrechter Himmel verstärken soll. Für sie ein besonderer Himmel über einem besonders "dichten" Ort, welcher Enormes ausstrahlt. Claudia Nebel ist gespannt, wie das Publikum ihren ewig blauen Himmel wahrnehmen wird.
Wer oder was ist heute ein Prophet? Pater Gerwig glaubt, dass "jeder die Möglichkeit hat, auf gewisse Menschen prophetisch zu wirken". Für ihn soll die Künstlerbegegnung den Menschen auch Anstoß sein, sich mit bedeutenden Fragen auseinanderzusetzen. Darauf zu hören, was man anderen vermitteln kann, und sich auch selbst etwas sagen zu lassen. Wie gesagt, ein Prophet spitzt seine Ohren. Denn "wer glaubt, schon alles zu wissen, selbstzufrieden ist, ist eigentlich taub."
Features
DAS FINALE
PRO.PHET, 27. Künstlerbegegnung:
Donnerstag, 1. Juli: "St. Lambrecht hören", Hörspaziergang mit Makiko Nishikaze. 10 Uhr, Treffpunkt Stiftshof. Konzert und Lesung mit Makiko Nishikaze (Orgel) und Franz Zalto (Gedichte). Stiftskirche, 20 Uhr.
Freitag, 2. Juli: Ausstellungseröffnung und Lesung: Stefan Glettler (Objekt Malerei), Claudia Nebel (Installation Malerei), Franz Zalto (Texte). Treffpunkt Stiftshof, 20 Uhr.
Die Ausstellung mit den Werken von Glettler und Nebel ist bis 18. September zu besichtigen.
Information: Tel. (03585) 2305 22. lambeart@stift-stlambrecht.at








