Herr Direktor holt auch die Wäsche ab
Wo türkische Kicker super schlafen, 32 Mitarbeiter beschäftigt sind und 30.000 Nächtigungen bisher die vier Sterne des Hauses recht hell erstrahlen lassen: Ein Jahr Lambrechterhof. Wir checkten ein.

Foto © Bettina OberrainerIm Foyer: Nach Jahren in feinen Häusern in Deutschland zurück in St. Lambrecht: Alois Grasser, gelernter Koch, nun Hoteldirektor
Da staunten die türkischen Kicker, als Herr Direktor höchstselbst ihre verschwitzten Dressen zur Wäsche abholte und auch gleich in die Maschine bugsierte... "Ich habe keine Berührungsängste, und es gibt kaum eine Abteilung, in der ich nicht schon mitgearbeitet habe", findet Alois Grasser nichts dabei, in Stresszeiten den Staubsauger anzuwerfen und Töpfe zu schrubben. Doch steht es ihm ebenso, in einem dieser feudalen Fauteuils zu thronen, die das großzügige Foyer des Lambrechterhofes in ein gemütlich warmes Farbenspiel tauchen - kein Wunder, dass dieses und der Innenhof Lieblingsplätze des Chefs sind.
Ein Jahr Viersternehaus in St. Lambrecht, und Austria Trend feiert den Geburtstag des Hotels, das erst nach langem Tauziehen realisiert werden konnte, offiziell am 9. August. Kinderkrankheiten sind auskuriert, die Bilanz steht auf 30.000 Nächtigungen bisher. "Wir sind nach diesem Jahr schon zufrieden, wie Lambrecht angenommen wird", strahlen für Alois Grasser die Sterne hell. Freilich schrammt die Krise vor allem im Businessbereich den Ort, und der Trend geht zu Kurztrips, die immer kurzfristiger gebucht werden. Durchschnittlich 100 Gäste logieren aber doch stets in dem 106-Zimmer-Haus, und sie kommen vor allem in der warmen Jahreszeit vorwiegend aus Österreich und Deutschland.
Mächtiger Partner
Sind überwältigt von der guten Luft, die Klimaanlagen überflüssig macht, und vom Benediktinerstift - laut Grasser ein mächtiger Partner mit hohem Kulturpotenzial, durch den sich St. Lambrecht abhebt aus dem dichten Dschungel touristischer Destinationen, keine Partymeile werden kann und will. Sanfter Tourismus ohne für die Besichtigung jedes Grashalms bezahlen zu müssen - Abzocke spielt anderswo -, und die natürliche Freundlichkeit der Einheimischen tun ihr Übriges.
Der Direktor: "Die Gäste bemerken freudig, dass sie gegrüßt werden, auch von Kindern." Alois Grasser ist selbst gebürtiger Lambrechter, kehrte nach Jahren in Potsdam, Nordrhein-Westfalen und Hamburg zurück zu seinen Wurzeln. Nur in besten Häusern hat der gelernte Koch gearbeitet, klar war für den bald 40-Jährigen nur: "Mit 40 wollte ich nicht mehr in der Küche stehen." Das hatte er vor sechs Jahren erreicht, nun rührt er leidenschaftlich in den eigenen vier Wänden in Topf und Pfanne.
Akzeptanz
Ja, der Hof belebt von den Läden im Ort über die Freizeitangebote bis zu den Hütten die Gegend, erfährt Akzeptanz von der Bevölkerung. "Wenn es gelingt, den Bekanntheitsgrad von St. Lambrecht in Österreich und den Nachbarländern noch zu steigern, würde das der ganzen Region helfen", wünscht sich Alois Grasser. Zwei Millionen Euro Umsatz sollte das Haus jährlich schaffen, das derzeit 32 Mitarbeiter beschäftigt, im Sommer drei neue Lehrlinge aufnimmt. Mucho Oktan, Organisator des Fußballcamps mit dem türkischen Erstligisten, schaut vorbei. Lobt die super Matratzen und den Direktor, der sich so sehr persönlich kümmert: "Das sind wir nicht gewohnt!"
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Innnenhof mit Blick in die Naturpark LandschaftFoto © Oberrainer
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Alte Fassade rekonstruiert: der Lambrechter Hof, ein Austria Trend HotelFoto © Oberrainer








