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Zuletzt aktualisiert: 30.06.2012 um 22:15 UhrKommentare

Sehen und gesehen werden

Heute schon getratscht? Die Mariahofer Milchrampe holt Ideen. Und Geschichten. Da kommt eine.

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Quelle © Template.jpg | Foto: KLZ Digital/Haider Milchige Gespräche auf der regionale12

Ungewöhnlich viele Seerosen schweben diesen Sommer am Furtner Teich. Halbstündlich tuckert ein Traktor vorbei, das Rattern der Züge durchschneidet die Ruhe am Wasser. In Mariahof bleiben sie aber nicht stehen. "Der Bahnhof wurde umgebaut. Sieht super aus. Aber die Züge fahren durch." Steht in einem dicken Buch. Das Buch liegt auf einem zerschlissenen goldigen Stilfauteuil. Der Fauteuil steht auf der Milchrampe. Und auf der Milchrampe stehen wir und tratschen. Tun also das, wofür diese Gefährte seinerzeit ebenso dienlich waren wie zum Milchabholen.

Die Mariahofer Rampe holt keine Milch, sie holt Ideen. Probt die Gratwanderung zur Kunstform: regionale12, Festival für zeitgenössische Kunst und Kultur. Der örtliche Dorfentwicklungs- und Kulturverein nimmt Reißaus vor allzu intellektuellen Höhenflügen, will die Leute "auf Augenhöhe abholen", wie Anja Stejskal meint. Die gelernte Bühnenbildnerin zieht mit Bauer und Vizebürgermeister Florian Plank die Fäden. Seit Monaten ist das Projekt in Fahrt, macht Station in allen 20 Streudörfern, bei unterschiedlichen Gastgebern. "Das Wichtigste war, miteinander zu reden, nichts zu verlangen."

Die Milchrampe kitzelt nach dem schöpferischen Potenzial der Menschen. Es funktioniert, aber nicht, weil es außer Milch auch Gerstensaft geben hat müssen. Hauptnahrungsmittel ist aber schon das Butterbrot. Heute ist der Furtner Teich unser Gastgeber, sein Himmelreich serviert Wolkengulasch mit Sonnengarnitur. Unseren Tratsch garniert das landschaftliche Bilderbuch. Theresia Peinhaupt klettert die Stiegen herauf. Sie ist Fotografin. Hauptberuflich natürlich Bäuerin, aber mit eigenem kleinen Atelier am Hof. Aus ihrer Linse stammt das Bild der Lärchbäuerin. In schwarz-weißer, beeindruckender Aussagekraft schmückt es die Rampe, wurde zum visuellen Symbol ihres Mottos "Sehen und gesehen werden".

Extra fein

Extra fein hatte sie sich gemacht für das Bild, die Lärchbäuerin. Bis vor Kurzem bewohnte sie allein ihren Hof, lebt jetzt im Seniorenheim. "Eine der wenigen, die von Mariahof noch alles wissen", erzählt Bürgermeister Peter Präsent. Das sind sie, die kleinen Geschichten und Gedanken der Leute, die die Milchrampe sammelt. Mit ein paar Veranstaltungen wird sie zur Bühne, dann gibt es Rampenlicht. Fünf konkrete Aktionen sind während der Dauer der regionale12 geplant, jüngster Streich war das Improvisationstheater "Milchrampensau". Kommenden Donnerstag heißt es "Anhalten - aufg'spielt wird!" mit Posaunist Bertl Mütter. Anja Stejskal wünscht sich, dass die Rampe weiterfährt, von Dorf zu Dorf. Bühne ist für Podiumsdiskussionen, Ausstellungen, Kaffeekränzchen.

Ungewöhnlich viele Seerosen heuer am Furtner Teich. Aber er erzählt ja auch ungewöhnlich viele Geschichten.

BETTINA OBERRAINER

FAKTEN

Die Mariahofer Milchrampe, ein Projekt des örtlichen Dorfentwicklungs- und Kulturvereines in Kooperation mit dem Festival regionale12, versteht sich als mobiler Begegnungsort.

Zum "Milchrampen-Tratsch" laden die Ortsbewohner noch an folgenden Sonntagen: Heute, 1. Juli, 8., 15., 22. Juli, jeweils von 10 bis etwa 13 Uhr am Kirchplatz.

Information: www.milchrampe.com, Tel. (03584) 22 05.

FAKTEN

regionale12, Festival für zeitgenössische Kunst und Kultur von 22. Juni bis 22. Juli in der Region Murau. Stadt.Land.Fluss. Festivalzentren in Murau, St. Lambrecht, Krakautal.

Information: Tel. 0676-848 119 119, www.regionale12.at.

Daten und Fakten

Die REGIONALE12, das Festival für zeitgenössische Kunst und Kultur, fand von 22. Juni bis 22. Juli 2012 unter dem Motto "Stadt.Land.Fluss" in der Region Murau statt.

 

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Abbau der regionale12 in Murau 

Abbau der regionale12 in Murau

 


REGIONALE12

REGIONALE12

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