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Zuletzt aktualisiert: 24.06.2012 um 20:30 UhrKommentare

Oberwölz: Wunderbare Öffnung einer Stadt

Eine Stadt sperrt zu und genau das Gegenteil passiert. Das Experiment "Oberwölz macht zu" zum regionale-Schwerpunkt "Zusammenleben" ist jetzt schon geglückt.

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Zwei Minuten nach Mitternacht rüttelt ein Betrunkener panisch am Tor. Es ist zu spät: Oberwölz hat gerade zugemacht, seine Tore für zwei Tage geschlossen. Die Oberwölzer und ihre Gäste haben sich aufgespalten: in Aufgeschlossene und Ausgeschlossene, in Drinnenbleiber und Draußenbleiber. Kein Kommen und kein Gehen mehr, bis Montag Nachmittag. Auf der Innenseite des Tors wartet ein einzigartiges Experiment auf die Teilzeit-, Heimkehr-, Ur- und Neuoberwölzer, auf der Außenseite immerhin noch eine Party mit dem Perchtenverein. Zu der sich übrigens spätnachts auch noch einige Jugendliche stehlen werden. Denn: Oberwölz hat zwar zugemacht, aber dabei auch ein Auge zugedrückt. So ist es auch für den angeheiterten Zuspätkommenden kein echtes Problem, die Stadt über die Absperrung zu verlassen. Ein Kunstprojekt ist kein Gefängnis.

Von allen, für alle

Zwei Stunden davor: Ein kunterbuntes Stadtfest ist im Gange, und nicht nur für jeden ist etwas dabei, auch von (fast) jedem. Die "Waterkant Steirer", eine Gruppe aus Oberwölzer Exil-Norddeutschen, singen Seemannslieder in einem leeren Schwimmbecken. Im Keller der Jugendherberge wird Dubstep aufgelegt. In der Spitalskirche gibt Wilfried Zelinka einen launig moderierten Liederabend. Auf der Zuchistall-Wiese wird schuhgeplattelt und auf der Graggober Tennbrücke spielt das famose Duo Kitsch & Glory ein ABBA-Medley. Während im Alten Moar der Perstl Viergesang "In der Oberwölzer Pfoarr geht olles Oahr an Oahr" anstimmt, wird Almkaffee (Milch mit Schnaps!) ausgeschenkt, dazu gibt es Bauernkrapfen und Verhackertbrote. Es ist wunderbar. Es ist ein Wunder.

"Das erste Wunder war für mich die Abstimmung," sagt die Organisatorin, Ideengeberin und Oberwölzerin Gunilla Plank am Sonntag Vormittag. Spricht's und schreit quer über den Hauptplatz: "Kann jemand von euch Fußball spielen?". Im Team "Oberwölz macht zu", das am Nachmittag gegen den ortsansässigen "FC Waumpn" antreten wird, ist jemand ausgefallen. Nachsatz, nachdem schnell ein Ersatzmann gefunden wurde: "Und nach der Abstimmung kam der große Meinungsumschwung". Fast 80 Prozent hatten bei der Bürgerbefragung im Oktober für das gewagte Projekt votiert.

Asyl für Kirchgänger

"Heute wären es bestimmt mehr als 90 Prozent", sagt Bürgermeister Günther Bischof (ÖVP). Auch wichtig: So gut wie alle Vereine konnten an Bord geholt werden. "Ungemein wichtig für die Akzeptanz," bestätigt Regisseur Andreas Staudinger. Sogar für die große Sorge des Pfarrers, viele Kirchgänger aussperren zu müssen, wurde eine großartige Lösung gefunden: Man konnte beim Projekt "Einwandern" der Young Caritas einen Asylantrag stellen. Und dann auch gerne noch zum Frühschoppen bleiben.

Es geht hier nämlich nicht um strenge Regeln, es geht um eine Öffnung. Und die ist bereits passiert, lange bevor die Tore heute um 15 Uhr wieder geöffnet werden. Man kann es in den Gesichtern der Oberwölzer sehen.

NINA MÜLLER, OBERWÖLZ

Daten und Fakten

Die REGIONALE12, das Festival für zeitgenössische Kunst und Kultur, fand von 22. Juni bis 22. Juli 2012 unter dem Motto "Stadt.Land.Fluss" in der Region Murau statt.

 

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Abbau der regionale12 in Murau 

Abbau der regionale12 in Murau

 


REGIONALE12

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Murau setzte sich gegen 15 Mitbewerber durch. 2008 fand das erste steirische Kulturfestival unter dem Motto "Diwan" im Großraum Feldbach statt.



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