Wenn die Milch ranzig ist und Geiz tödlich
Mehr als heikel: Forderungen aus dem Murtal zum aktuellen Mahlzeitthema Nummer eins.

Foto © APSchluss mit zusammengepantschten Lebensmitteln, deren Bestandteile keiner nachvollziehen kann
"Man muss die Überlegung anstellen, ob ,Geiz ist geil' nicht lebensgefährlich ist." Scharfes Bonmot vom Rantener Milchbauern Walter Stadlober. Und doch agiert der IG-Sprecher schaumgebremst, wenn es um das aktuelle Mahlzeitthema Nummer eins geht: Todeskäse aus der Steiermark. Alarmstufe rot vom Kennzeichendschungel bis zu weltreisenden Milchprodukten. Der "Ermittlungsbereich Leib und Leben" des Landeskriminalamtes Steiermark startet seine Erhebungen.
Mehr als dringend
Wenn lückenlose Aufklärung, dann jetzt, ist für Stadlober der Anlass mehr als dringend. Und es gelte, das Zusammenwürfeln von Bestandteilen, "die wir in bester Qualität in der Region haben", zu hinterfragen. Stadlober: "Jetzt muss die Lebensmittelkennzeichnung, die wir seit Jahren predigen, wirklich kommen!" Hier hakt auch der Knittelfelder FPÖ-Nationalratsabgeordnete Wolfgang Zanger ein. Er war im Vorjahr wie berichtet auch in Sachen Analogkäse initiativ und will erneut auf überparteiliche Zusammenarbeit setzen. Allein im blauen Klub wachse der Berg an schriftlichen Aufforderungen an alle Parteien.
Bei aller Vorsicht im Sinne der Bauern fordert Zanger, die Rolle des Gesundheitsministeriums und der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit zu beleuchten: "Offenbar wurde vieles unter den Teppich gekehrt und schubladisiert." Habe es Verfehlungen gegeben, müssen der- oder diejenigen schärfstens zur Verantwortung gezogen werden. Der Abgeordnete erinnert zudem an den Antrag, der schon vor Monaten eine Bereinigung im "Wildwuchs" der Gütezeichen verlangte: "Dem Konsumenten muss klar sein, was er kauft."
Für Johann Höden, Kammerrat und Judenburger Regionalleiter der Biobauern, ist "nicht einsehbar, dass die hohe Politik unfähig ist, hier Ordnung zu schaffen". Auch er maßt sich noch kein direktes Urteil an, nennt es aber "furchterregend", wenn auf ausländischen Produkten österreichische Siegel kleben. Dem Konsument empfiehlt er, den Parteien Feuer unter dem Hinter zu machen. Sein Wunsch? "Dass das, was draufsteht, auch drinnen ist."
Keine Stellungnahme
Wie heikel die Causa ist, spiegelt auch die Tatsache, dass es gestern seitens der Obersteirischen Molkerei keine Stellungnahme gab. "Wir sind alle beraten, nicht noch mehr Unsicherheit hineinzubringen", so Geschäftsführer Friedrich Tiroch. Knittelfelds Kammerobmann Matthias Kranz spricht von einer "grenzenlosen Schweinerei, die die Bauern in den Dreck zieht." Für diese ist die Lage auf jeden Fall echt ranzige Milch. Walter Stadlober mahnt allerdings, dass solches im Prinzip jeden Landwirt treffen kann. Jedoch: "Wir Milchbauern löffeln die Suppe aus. Und befinden uns, die wir heimische Bauernhofqualität liefern, im Regal gegenüber von zusammengewürfelten Billigprodukten. Und können mit dem Preis nicht mithalten." Stichwort Geiz ist geil. Und mitunter lebensgefährlich.








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