Kühe attackierten erneut Wanderer
Das Opfer vom Mittwoch schildert, wie die Herde auf das Paar losging. Auch andere Wanderer wurden schon auf der Fölzalm attackiert. Am Donnerstag kam es zu einer weiteren Kuh-Attacke auf der Turrach.

Foto © AP/SujetbildWanderern rät der Experte, einen Stock bei sich zu führen, damit könne man die Kühe ablenken. Rennt man einmal los, laufen einem auch die Rinder nach
Drei Monate mindestens wird Günter D. auf keine Alm mehr gehen. Schon aus medizinischen Gründen. Mit zertrümmertem Schienbeinkopf liegt der 52-Jährige aus Hart bei Graz im LKH Bruck, nachdem er am Mittwoch von Almkühen attackiert worden war. "Ich habe gedacht, seine letzte Stunde hat geschlagen", schildert Gattin Eva die bangen Minuten.
Attacke auf Turracherhöhe
Am Donnerstag kam es zu einer weiteren Attacke durch eine Kuherde. Ein Paar aus Oberösterreich war mit ihren beiden Kindern und einem Hund auf der Turracherhöhe auf einem Wanderweg talwärts unterwegs.
Der Hund dürfte auch der Grund gewesen sein, dass mehrere Kühe auf die Familie losgingen. Die Tiere stießen die Frau zu Boden und trampelten auf ihrem Körper herum.
Dem Mann gelang es, die Frau wieder aufzurichten. Daraufhin ließen die Kühe von ihr ab. Die 41-Jährige erlitt Prellungen, Schürfwunden und Blutergüsse am ganzen Körper.
Als sie die Weide auf der Fölzalm betraten, sei die Herde noch etwa 700 Meter entfernt gewesen. "Wir wollten den Weg entlang gehen, der Hund war immer bei uns." Plötzlich sei ein junges Rind, sie hielt es für einen Stier, auf sie zugelaufen, die anderen hinterher. "Wir wollten umkehren, aber auf einmal waren wir umzingelt", erzählt die Frau. Beruhigungsversuche ihres Mannes hätten nicht gefruchtet - "das Rindvieh hat einfach nicht von ihm abgelassen." Immer wieder sei es auf ihn losgegangen.
Aus dem Sichtfeld
Irgendwie schaffte es Eva D., ihren schwer verletzten Mann unter die Latschen und damit aus dem Sichtfeld der Kühe zu ziehen. Weil sie keinen Handy-Empfang hatte, musste sie ein Stück des Weges zurückgehen, um die Rettung zu rufen. Die Rinder liefen ihr nach. "Ich habe sie mir mit einem Stock vom Leib gehalten". Erst als der Rettungshubschrauber - mit Günter D. an Bord - im Tiefflug über die Weide schwebte, zog sich die Herde zurück.
Zwei Wochen zuvor hatten der Hotelier Werner Josef Schiefer und seine Frau aus Loipersdorf auf der Fölzalm ein ähnliches Erlebnis. "Der kleine Stier ist auf uns losgegangen. Ich hab mich dazwischen gestellt, damit sich meine Frau unter den Latschen verstecken kann", berichtet er. Verletzt wurde niemand, "aber meine Frau hatte Höllenangst."
"Also, Stier war da sicher keiner dabei, es sind nur Kälber und trächtige Kühe auf unserer Alm", sagt Hüttenwirtin Erika Grasser. So oft seien dort schon Wanderer - auch mit Hunden - durchmarschiert, bis auf Mittwoch sei ihres Wissens auch noch nie etwas passiert. "Ich schätze, dass der Hund die Kühe erschreckt hat. Tiere sind halt unberechenbar."
Das vermutet auch Peter Gutschlhofer, Geschäftsführer des steirischen Almwirtschaftsvereins und Viehzuchtexperte. "In so einem Fall ist es das Beste, den Hund laufen zu lassen. Dann rennen die Kühe ihm nach, er ist aber schneller". Wanderern rät er, einen Stock bei sich zu führen, damit könne man die Kühe ablenken. Rennt man einmal los, laufen einem auch die Rinder nach. "Die haben damit eine Gaudi, so wird ihre Angriffslust geweckt." Dass sich Rinderattacken auf Wanderer offenbar häufen, führt Gutschlhofer auf den Trend zur Mutterkuhhaltung zurück. Bei diesen Tieren sei der Schutzinstinkt viel stärker ausgeprägt als bei Milchkühen, die schon früh von ihren Kälbern getrennt werden.
Rechtlich hat der Viehhalter übrigens wenig zu befürchten. Hält sich der Wanderer auf einer Weide auf und ist ihm das auch klar ersichtlich, ist er für seine Sicherheit selbst verantwortlich.









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