Bitte zu Tisch, wir essen Tsunami
Die regionale12 fordert die Grenzen von Kunst und Gesellschaft, die Vorbereitungen für das Festival in der Region Murau driften in den Endspurt.

Foto © OberrainerGeschäftsführerin Barbara Binder und Intendantin Maren Richter unterwegs mit Taschen aus Bio-Vlies: Das Festival ist als "green event" der Ressourcenschonung und Nachhaltigkeit verpflichtet
Wie kocht man einen Tsunami? Noch besser: Wie isst man einen? Großmäuler haben möglicherweise Vorteile... Eine Katastrophe, sagen Sie, sich derart respektlos über Naturgewalten lustig zu machen? Genau, wir sind mitten drin in der Materie, welche die Grenzen von Kunst und Gesellschaft herausfordert, und die da heißt: regionale12. Die Vorbereitungen für das Festival für zeitgenössische Kunst und Kultur von 22. Juni bis 22. Juli in der Region Murau driften in den Endspurt, Intendantin Maren Richter und Geschäftsführerin Barbara Binder lassen mundgerechte Häppchen fallen.
24 Hauptprojekte umspannen all die bunten kleinen Initiativen. Die Häppchen machen Gusto. Zum Beispiel, siehe oben, auf die Katastrophe. "Cooking Catastrophies" - nomen es omen für eine Performance, für die sich Köche aus ganz Europa an den Herd stellen - ausgerechnet in der Krakau, wo man sonst eher Wildgulasch als Klimakatastrophen anrührt. Und anschließend aufjausnet. Man speist bio - versteht sich das Festival doch als "green event", der Ressourcenschonung und Nachhaltigkeit verpflichtet. Richter und Binder sitzen mit Umhängetaschen da, schwarz, gelb, aus Bio-Vlies. Und vor allem: Made in Oberösterreich, nicht in China. Um den Hals tragen die Damen Festivalpässe - "aus Bioplastik!".
Überhaupt, in der Krakau wird es heiß und kalt, von 12. bis 15. Juli tagt dort ein "Forum für erweiterte Energie-, Klima- und Wetterfragen. "Mit tollen Namen", verspricht Barbara Binder. Professor Klaus Lackner von der Columbia Universität ist dabei - er hat einen künstlichen Baum entwickelt, der tausendmal mehr Kohlendioxid speichern kann als ein echter. Oder Renate Christ, anno 2007 mit Al Gore Friedensnobelpreisträgerin.
Heiß und kalt. Und stachelig. Weil die Krakau ist auch Festivalzentrum. Eines von drei. Ein altes, ein neues, ein geborgtes. Ja, richtig, wie die Ausstattung einer Braut, grinsen die regionale-Damen. Das geborgte, der Pavillon "White Noise", genannt "der Igel", steht in Krakauebene. Das neue ist das Festivalzentrum der Architekten Fattinger/Orso in Murau, das alte der Stiftspavillon in St. Lambrecht.
Stadt.Land.Fluss. Murauer Rohstoffe als Basis neuer Sichtweisen auf Kunst, Gesellschaft, Politik, Bildung und Wirtschaft einer Region. Wegen der Budgetkürzung von vier auf zwei Millionen Euro - 1,2 Millionen schaffte man auf eigene Initiative zusätzlich - gibt es statt zweieinhalb Monaten wie bei den Vorgängern "nur" vier Wochen Programm. Das aber schöpft aus einem herausfordernden Grenzgang.
Die grüne Masche betrifft ebenso die Anreise: Gäste gondeln bequem per Zug etwa von Graz nach Neumarkt, brausen von dort kostenlos mit Elektro-Autos und ebensolchen Fahrrädern von Spielstätte zu Spielstätte. Am besten gleich am Eröffnungswochenende: Ein paar tausend Menschen werden am Abend des 22. Juni erwartet, wenn es in Muraus Innenstadt brodelt. Barbara Binder: "Da ist irrsinnig viel zu sehen." Und verwechselt jemand das Bezirksstädtchen mit Los Angeles, liegt es womöglich am leuchtenden Schriftzug. Murau wird Hollywood? Maren Richter lächelt. "Murau wird Zukunft." Von 22. Juni bis 22. Juli bestimmt.
Features
REGIONALE12
Stadt.Land.Fluss. Festival für zeitgenössische Kunst und Kultur in der Region Murau.
Eröffnungsfest am 22. Juni mit einem Streifzug ab 18 Uhr durch Murau, ab 19.45 Uhr offizielle Eröffnung mit anschließendem feierlichen Ausklang.
Ausstellungseröffnungen am 23. Juni ab 14.30 Uhr in St. Lambrecht, ab 18 Uhr "Tore zu" in der Stadtgemeinde Oberwölz.
Am 24. Juni geht es ab 11 Uhr im Holzmuseum St. Ruprecht weiter, dann Besuch in Rammingstein "EinFlüsse Lebensader Mur", 14 Uhr Dorfmuseum Krakaudorf, 15 Uhr Festivalzentrum Krakau.
Information, Tickets: Tel. 0676-848 119 119. www.regionale12.at.








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