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Zuletzt aktualisiert: 12.06.2011 um 08:29 UhrKommentare

Krimi um Patente des vermissten Erfinders

Betrug, Täuschung, Urkundenfälschung: Ein halbes Jahr nach dem Verschwinden des Steirers Johann Steiner in Australien scheint der Fall ungeklärter denn je.

Johann Steiner wird seit 21. Dezember vermisst

Foto © PrivatJohann Steiner wird seit 21. Dezember vermisst

Johann Steiner (66) aus Bretstein im Bezirk Judenburg lebte seit Jahrzehnten in Australien und war ein erfolgreicher Erfinder. Doch seit dem 21. Dezember 2010 wird er vermisst (wir berichteten). Um seine Firma und seine Patente - der Wert wird auf 350 Millionen australische Dollar geschätzt - spielt sich jetzt ein regelrechter Krimi ab.

David B., ein ehemaliger Buchhalter, hat im Februar dieses Jahres dafür gesorgt, dass der Vermisste als Geschäftsführer seines Unternehmens ausgetragen wurde. B. übernahm die alleinige Geschäftsführung und sicherte sich außerdem noch 30 Prozent der Firmenanteile. Darüber hinaus bietet er bereits Einprozentanteile um 500.000 australische Dollar zum Verkauf an.

Polizei stellte die Ermittlungen ein

BRISBANE. Im Fall der Betrügereien werden die australischen Anwälte Anzeige erstatten. Sie rechnen sogar mit Verhaftungen. Was die Ermittlungen im Vermisstenfall Johann Steiner betrifft, hat die Polizei den Akt bereits geschlossen, obwohl es noch viele Ungereimtheiten gibt. Die Unfallversion konnte nicht widerlegt werden.

Johann Steiner soll an Bord einer gemieteten Segeljacht in einer Bucht von Brisbane von einem Querbalken getroffen und ins Meer geschleudert worden sein. Das behauptete Skipper James H. bei der Befragung durch die Polizei. Zum Zeitpunkt der Ereignisse - am 21. Dezember 2010 - sollen neben den beiden Männern noch vier chinesische Frauen an Bord gewesen sein.

"Wie das alles möglich ist, versteht niemand. Denn die Gesetze und Vorschriften in Australien sind sehr streng und die Verlassenschaft ist noch nicht abgewickelt", sagt Wolfgang Auer, praktischer Arzt und Unternehmer aus Neumarkt. Er und Helmut Steiner (Neffe des Vermissten) sollten in Österreich für die Produktion eines Virenfilters sorgen, den Johann Steiner erfunden hat und der in Australien bereits produziert wird.

Bevor nun Wolfgang Auer im Auftrag der Familie Steiner nach Australien flog, um zu recherchieren, was dort tatsächlich vor sich geht, war David B. zu Gast in der Obersteiermark. "Er wollte unser Vertrauen gewinnen", sagt Helmut Steiner. Auer sollte David B. in Brisbane eine Generalvollmacht der Familienangehörigen übergeben. Doch der Arzt schöpfte Verdacht.

Mysteriös und kriminell

"Ich bin früher als geplant nach Australien geflogen", erzählt er der Kleinen Zeitung. Der Steirer engagierte drei Juristen einer der ältesten australischen Anwaltskanzleien und recherchierte im Umfeld des vermissten Steirers. "Dass der Hans bei einem Segelunfall ums Leben gekommen sein soll, die Hintergründe und die ganzen Ereignisse danach - es ist alles mysteriös und höchst kriminell. Nicht nur David B. will sich die ganze Firma und damit auch die Patente unter den Nagel reißen, da gibt es auch noch andere schräge Vögel, die mitmischen."

System zur Filterung von Viren

BRISBANE. Die Erfindung Steiners gilt als revolutionär: ein System zur Filterung von Viren aller Art. Kurz nachdem die Produktion in Australien angelaufen war, soll der Steirer durch einen Unfall ums Leben gekommen sein. Größter Gegner Steiners soll die Pharmaindustrie gewesen sein. Das behauptet Neffe Helmut Steiner. "Mit diesem Filter können Viruserkrankungen auf einfache Art und Weise verhindert werden." Die Produktion in Europa hätte heuer anlaufen sollen. Das war in Zusammenarbeit mit dem Forschungszentrum Seibersdorf geplant. Jetzt ist alles ungewiss.

Für den Filter interessierten sich auch mehrere asiatische Staaten. Das englische Militär wollte Steiner sogar das Patent abkaufen.

Weil sich der Steirer bei David B. nicht - wie ausgemacht - gemeldet hatte, erstattete dieser eine Abgängigkeitsanzeige bei der Polizei. Bei einer Gedenksteinenthüllung und einem Gottesdienst für den verschwundenen Erfinder verkündete er unter den Anwesenden, Auer sei in Bangkok, Thailand, verschollen. Interpol und die australische Polizei würden nach ihm suchen. Was er damit bezweckte, ist Auer rätselhaft.

Als Wolfgang Auer Donnerstagvormittag am Grazer Flughafen ankam, erhielt er am Handy eine Nachricht von der österreichischen Botschaft in Australien: Man mache sich ernsthaft Sorgen um ihn, er möge sich melden.

HANS BREITEGGER

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