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Zuletzt aktualisiert: 24.09.2008 um 05:00 UhrKommentare

Der Wachtelkönig erobert die nächste Trasse

Der "Crex crex" half, die Ennsnahe Trasse zu verhindern. Jetzt haben Bürger den Vogel wieder entdeckt - just in Kulm am Zirbitz, wo Asfinag umstrittene Schnellstraße plant.

Die Entdeckung des Vogels macht die ohnehin extrem komplizierte Suche nach einer Trasse für die S 37 nicht leichter

Foto © APADie Entdeckung des Vogels macht die ohnehin extrem komplizierte Suche nach einer Trasse für die S 37 nicht leichter

Wer mit dem Daumen über die großen Zähne eines Kammes fährt, erahnt ungefähr den Ruf eines Wachtelkönigs. Dieses Rerrp-Rerrp hat in den neunziger Jahren schon Gegnern der Ennsnahen Trasse im Kampf gegen das Straßenbauprojekt geholfen.

Crex crex. Heuer ertönte der Ruf des geschützten Vogels mit dem lateinischen Namen Crex crex abermals in der Obersteiermark - und zwar just wieder dort, wo eine umstrittene Straße geplant ist. Im Kulm am Zirbitz nahe Neumarkt beschwören Bewohner, den Wachtelkönig gehört zu haben.

S 37. Kulm ist eine jener Gemeinden, durch die künftig die Schnellstraße S 37 führen soll. Gegen dieses Straßenprojekt formiert sich heftiger Widerstand; Gegner befürchten nach dem Lückenschluss Richtung Kärnten eine Transitlawine wie am Brenner. Die Entdeckung des Vogels macht die ohnehin extrem komplizierte Suche nach einer Trasse nicht leichter. "Wenn's den Wachtelkönig dort wirklich gibt, werden das unsere Vogelkundler berücksichtigen", seufzt Projektleiter Franz Gruber von der Asfinag.

Kein Schmäh. Dass sich die Kulmer keinen Schmäh zur Verhinderung der Straße einfallen haben lassen, bestätigt Peter Hochleitner. Er ist Botaniker und Chef der Landesvogelschutzwarte am Furtner Teich in Mariahof. "Gemeinsam mit Experten der Organisation Birdlife haben wir den Wachtelkönig mit einer Klangattrappe, mit der der Ruf nachgeahmt wird, angelockt. Dabei ist er uns fast ins Auto geflogen." Erstmals vernommen wurde der Ruf Ende Juni. Insgesamt seien vier Exemplare gesichtet worden, der Vogel dürfte auch in Kulm gebrütet haben.

"Wachtelkönigbürgermeister". Ortschef Johann Obermayer von der ÖVP freut sich, nun "Wachtelkönigbürgermeister" zu sein. "Wir haben mit Doblermoos und Doblerlacke zwei wichtige Gebiete für Zug- und Brutvögel. Ich habe den Wachtelkönig selbst gesichtet und bin froh über diese Artenbereicherung." Zum Straßenausbau meint er: "Die Regeln der Vernunft sagen dazu Nein."

JOSEF FRÖHLICH

TRUMPF FÜR GEGNER

Erste Sichtung. 1994 wurde der Wachtelkönig im Ennstal gesichtet. Der geschützte Vogel wurde ein Trumpf für Gegner im Kampf gegen die Ennsnahe Trasse.

Nachweis. 2006 wies Landesrat Manfred Wegscheider im Zuge einer "Foto-Expedition" die Existenz des stark gefährdeten Vogels im Ennstal nach.

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