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Zuletzt aktualisiert: 07.07.2012 um 20:17 UhrKommentare

Was hat die Welt da draußen mit der Krakau zu tun?

Wir backen Erdbeben, sticken Wettersprüche. Und dazwischen retten wir vielleicht die Welt: regionale12, Forum für erweiterte Energie-, Klima- und Wetterfragen im Krakautal.

Foto © regionale12/NIKOLA MILATOVIC

Also nur damit Ihnen nichts vorenthalten wird: Klaus Schafler trägt während unseres Gespräches Hellgrün. Weil in drückender Hitze kommt Schwarz kreislauftechnisch weniger vorteilhaft, da muss auch einmal ein Konzeptkünstler durch. Gegen klimatologische Umbrüche und Lawinenabgänge kann die Farbe des Hemdes allerdings kaum etwas ausrichten. Darüber nachdenken und reden ist zumindest ein Anfang, helfen tut es, siehe den jüngsten Gipfel in Rio, meist original nichts. Probieren wir es also mit dem Krakautal. Hallo? Was die Krakau mit der Welt draußen und die Welt draußen mit der Krakau zu tun hat? Nun, erstens gibt es auch dort ein Wetter, und zweitens ist das berühmte Alpbach auch keine Millionenmetropole.

Wir erörtern also "erweiterte Energie-, Klima- und Wetterfragen" im Krakautal, von 12. bis 15 Juli: Willkommen bei der regionale12, das Festival für zeitgenössische Kunst und Kultur traut sich nicht nur nach Murau. Es aalt sich auch dort, wo außer Landschaft nur Landschaft ist. Und derzeit ein weißes Igelding als Festivalzentrum, White Noise heißt der mobile, vom Architektenteam soma entworfene Pavillon. Klaus Schafler zeigt darin sein Kunstprojekt "Kühllabor", beschäftigt sich mit Eingriffen in unser Klimasystem.

"Der Naturraum, die Berge, sind hier sehr präsent", schwebt Kurator Schafler die regionale12 als Startschuss für ein kontinuierliches Forum zum Dauerthema vor. Die ersten Kaliber dürfen bei der Fachtagung am Donnerstag in den unergründlichen Sternenhimmel über Krakau schauen - unter anderem Vertreter der Universität Rostock, Greenpeace und Energie Steiermark.

Untergang

Lassen wir die Welt in der Krakau untergehen, Klaus Schafler? "Die Welt wird nicht untergehen, aber Dinge des Untergangs werden thematisiert." Der gebürtige Oststeirer probt den Spagat zwischen lustvollem und ernsthaftem Umgang mit der Problematik. Was eignete sich dazu besser als Kunst. Die muss man nicht schön finden, verstehen muss man Kunst auch nicht, aber Neugierde wecken soll sie. Die Gleichzeitigkeit von Lokal und Global interessiert den Pendler zwischen Wien und New York, er betrachtet seine Kunst als Reflexion einer Mischung aus Nähe und Ferne. Und so baut ein Künstler vom Big Apple für die regionale12 Wetterbäume, im Kontext mit Wettersprüche stickenden einheimischen Damen.

Verstörung

Apropos Reflexion: Weiße Folien überziehen in der Krakau Dächer von Bauernhäusern, sorgen für gewollte Momente der Verstörung. Es sind ungewohnte Ausblicke für die eingesessenen Bauersleut, mit lokalen Köstlichkeiten versorgen sie die Akteure dennoch. Oder möchten Sie lieber vom Erdbeben naschen? Ernsthaft, am 13. Juli kochen wir Klima-Katastrophen. Cooking Catastrophes. Die Kreationen der Profiköche werden projiziert, schauen dann wie Klimabilder aus. Klaus Schafler freut sich besonders auf die Tsunamisuppe.

Erdbebenkuchen backen ist kontrollierbar, sein Schicksal relativ vorhersehbar. Das des nächsten weltweiten Gipfels vermutlich auch. Darf die Krakau das nächste Rio werden, Klaus Schafler? "Vielleicht passiert dort ja mehr als auf einem Klimagipfel", schmunzelt der Mann.

Und das Gefühl, nicht genau zu wissen, was genau passiert, kitzelt ihn wie ein lauer Sommerwind. Der geht aber, und das halten wir Ihnen ebenso wenig vor wie Schaflers hellgrünes Outfit, nicht als Klimakatastrophe durch.

BETTINA OBERRAINER

Kommentar

BETTINA OBERRAINERNicht zu retten von BETTINA OBERRAINER

FAKTEN

Ausstellung "Kühllabor. Weltumspannendes Geoengineering und lokales Wettermachen" von Klaus Schafler: Ausgangspunkt für ein Schwerpunktwochenende vom 12. bis 15. Juli im Krakautal. Politiker, Wissenschaftler, Theoretiker, Künstler diskutieren von unterschiedlichsten Standpunkten aus.

Unter anderem mit Fachtagung, "Parlament der Dinge", "Das TINA-Prinzip der Ökologie", "Wir sind alle Astronauten", einer "Wanderung für alle Sinne", "KlimaHof".

regionale12, 22. Juni bis 22. Juli, Region Murau

Information: Tel. 0676-848 119 119, www.regionale12.at.

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