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Zuletzt aktualisiert: 23.02.2010 um 05:55 UhrKommentare

Bauer vor Gericht: Knecht ausgenutzt

Laut Strafantrag der Staatsanwaltschaft Leoben hat ein obersteirischer Bauer seinen Knecht jahrelang ausgenutzt. Der Landwirt und sein Sohn müssen sich vor Gericht verantworten.

Foto © APA/Sujet

Der Fall des Knechtes Maximilian L. sorgte vor zwei Jahren für Schlagzeilen: Damals hatte der Murauer Rechtsanwalt Günter Novak-Kaiser einen obersteirischen Landwirt wegen Verdachtes der Sklaverei angezeigt. Der Bauer soll den Knecht viele Jahre ausgenutzt und geschlagen haben. Jetzt gibt es gegen den 62-jährigen Landwirt und auch gegen dessen 30-jährigen Sohn einen Strafantrag.

"Es war ein umfangreiches Ermittlungsverfahren. Wir haben mehrere Gutachten eingeholt", sagt Gunter Kirschenhofer, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Leoben. Aus dem Verdacht der Sklaverei wurde eine Vernachlässigung eines Wehrlosen. Denn laut Gutachten des Gerichtspsychiaters Manfred Walzl ist der Knecht in seiner Entwicklung und im Sozialleben stark eingeschränkt.

"Er verfügte über keinen Freundeskreis - eine weitere Entwicklung, wie sie Kinder und Jugendliche - aber auch Erwachsene - durchmachen, fand bei Herrn L. mit großer Wahrscheinlichkeit nicht statt", hält der Gutachter fest. In dieser Situation sei es dem Betroffenen zweifellos nicht möglich gewesen, entsprechende Mechanismen zum Selbstschutz aufzubauen. Zu vergleichen sei dies mit einem kleineren Kind, das keinesfalls in der Lage ist, sich gegen einen Erwachsenen zu wehren.

Ohrfeigen

Laut Strafantrag soll der Bauer die Arbeitskraft des Knechtes übermäßig in Anspruch genommen und ihn nicht ausreichend mit Nahrung versorgt zu haben. Weiters habe er ihm keine ausreichende medizinische Versorgung gewährleistet und ihn regelmäßig beschimpft und geohrfeigt. Deshalb muss sich der Landwirt demnächst vor Gericht verantworten.

Zwei weitere Tatbestände treffen nicht nur den Bauern, sondern auch dessen Sohn. Beiden wird schwerer Betrug (geschädigt ist die Sozialversicherung der Bauern) und Urkundenfälschung vorgeworfen. Sie sollen bei Förderansuchen die Unterschrift des Knechtes gefälscht haben.

Der 62-jährige Landwirt - für ihn und seinem Sohn gilt die Unschuldsvermutung - sieht dem Prozess gelassen entgegen: "Wir werden sehen, was herauskommt - mehr sage ich nicht." Anwalt Novak-Kaiser: "Ich bin sehr zufrieden - die Staatsanwaltschaft hat alle angezeigten Vorwürfe angeklagt."

HANS BREITEGGER

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