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Zuletzt aktualisiert: 27.01.2010 um 18:59 UhrKommentare

Wenn das Leben keinen Wert mehr hat

Den Sprung von einer Brücke sahen heuer mehrere Menschen in Judenburg als letzten Ausweg. Wir fragten nach, woran das liegt.

Foto © APA/Sujet

Es lässt sich nicht ausmalen, was in Menschen vorgeht, die sich das Leben nehmen wollen. Die Brücke als letzter Ausweg: In Judenburg gab es seit Jahresbeginn eine Häufung von Selbstmord-Versuchen auf diesem Weg.

Erst vergangene Woche sprang eine 16-Jährige von der Europabrücke, sie konnte wie berichtet gerettet werden. Ein anderer Judenburger nahm sich das Leben, indem er von einer Brücke sprang. Zwei junge Männer wollten zu Jahresbeginn von Judenburger Brücken springen, konnten in letzter Sekunde von einem Polizisten abgehalten werden.

Brückengelände

Woran diese Häufung in den vergangenen Wochen liegt, lässt sich laut dem Judenburger Rotkreuz-Bezirksgeschäftsführer Karl Lechner nicht sagen. "Der Zugang zu Brücken ist relativ einfach", vermutet er. Vor allem zur Judenburger Talbrücke, die Richtung Lindfeld führt. Ein Sprung von der Europabrücke ist laut Lechner vergangene Woche das erste Mal passiert.

"Man sollte zwei Meter hohe Brückengeländer machen", sagt Lechner. "Vielleicht könnte so der eine oder andere Selbstmord-Versuch abgewendet werden."

Es sind übrigens häufiger Männer als Frauen, für die Selbstmord der letzte Ausweg ist (siehe auch Statistik linke Seite). Warum das so ist, erklären Mitarbeiterinnen des Vereins für psychische und soziale Lebensberatung unter anderem so: "Frauen haben eine andere Art der Konfliktlösung." Können offener mit ihren Problemen umgehen, reden darüber.

Wieso dieser letzte Schritt getan wird, sei unterschiedlich. "Teilweise handeln die Menschen im Affekt, manche planen ihn über Jahre." Letztlich gebe es aber immer Anzeichen: "Sehr viele Menschen versuchen auf ihre Sorgen aufmerksam zu machen, werden aber oft nicht gehört." Die Menschen fühlen sich völlig eingeengt, gibt es keine Perspektiven mehr, wählen sie den Suizid. Die Frauen vom Beratungszentrum wissen: "Das Leben hat für diese Menschen keinen Wert mehr."

Hohe Rate

Während Judenburg, was die Selbstmordrate in den vergangenen Jahren angeht, im steirischen Schnitt angesiedelt werden kann, liegt der Bezirk Murau weit darüber. Woran das liegt, lässt sich laut den im Beratungszentrum tätigen Frauen nur mutmaßen: "Vielleicht ist es die landschaftliche Enge durch die kleinen Täler, vielleicht auch der Konflikt zwischen Tradition und Moderne."

Außerdem: "Wenn man merkt, dass es jemanden schlecht geht, sollte man ihn direkt anreden. Am schlimmsten ist immer das Schweigen."

MICHAELA FRÖHLICH

Kommentar

Michaela FroehlichAnteil nehmen von Michaela Froehlich

Beratung im Murtal

Bei Problemen kann man sich an den Verein für psychische und soziale Lebensberatung wenden. In Knittelfeld unter Tel. (03512) 449 88, Judenburg Tel. (03572) 429 44, Murau Tel. (03532) 448 66. Informationen gibt es auch im Internet: www.beratungszentrum.at

Selbstmorde in der Steiermark

Laut Landesstatikstik Steiermark war die Zahl der Todesfälle durch "Selbstmord und Selbstbeschädigung" lange Zeit bis Mitte der 90-er Jahre international auf sehr hohem Niveau. In den Jahren 1997 bis 2001 gab es eine deutliche Verringerung, dieser Trend setzte sich 2002 und 2003 leider nicht fort.

Danach gab es Schwankungen: 2007 etwa nahmen sich 223 Menschen das Leben, die geringste Selbstmordrate seit Jahrzehnten. Ein Jahr später gab es 240 Selbstmorde.

Im Jahr 2008 lag die Steiermark von der Selbstmordrate her bundesweit auf dem ersten Platz.

Männer neigen in fast allen Altersgruppen stärker zum Suizid als Frauen: 78 Prozent der verübten Selbstmorde im Jahr 2008 begingen Männer. In diesem Jahr nahmen sich sogar drei unter 15-Jährige (ein Mädchen und zwei Burschen) das Leben. Ebenfalls traurig ist, dass Selbstmorde in der Altersgruppe zehn bis 45 die häufigste Todesursache sind, deutlich vor den Verkehrsunfällen.

Generell nimmt das Selbstmordrisiko mit steigendem Alter zu. Und: In den Monaten März, April und Mai passieren die meisten Suizide.

Auf Bezirksebene wertete die Landesstatistik Steiermark die durchschnittlichen Selbstmordraten der Jahre 2004 bis 2008 (pro 100.000 Einwohner) aus: Judenburg und Knittelfeld liegen im steirischen Schnitt, deutlich darüber liegt Murau

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